Presse
(Bild:
Ossenbrink)
Zuhörer sind von Mozarts „Großer Messe" begeistert
Von
DR. ULRICH GEHRE
Oelde / Lette
(gl). Auch als Fragment ist
Wolfgang Amadeus Mozarts „Große
Messe"
c-Moll
KV 427 ein
ergreifendes Werk. Trotz aller Gegensätze zwischen den originalen und hinzu
komponierten Teilen des 1783 entstandenen
Opus erreichte die Aufführung in der Letter
St.-Vitus-Kirche eine eindrucksvolle
Geschlossenheit und Kompetenz.
Streng orientiert
an Mozarts
Vorgaben, hatte
Matthias Hellmons als erfahrener musikalischer Leiter die Chorgemeinschaft
Musik-Verein Oelde, Städtischer Musikverein Paderborn
und Capella Loburgensis Ostbevern
auf das rechte Maß reduziert
und damit ein in allen Teilen
transparentes Klangbild mit vortrefflicher
Ausgeglichenheit der Stimmblöcke erreicht. Dementsprechend
reicht für das mozartische Klangvolumen auch die auf
30 Pulte beschränkte Nordwestdeutsche Philharmonie aus, die
nach den zwingenden Dispositionen des
Dirigenten für die verlässliche Grundierung
zuständig war. Mit Bravour bestand der
Chor die außerordentlichen Herausforderungen.
Er hatte sich mit Aufführungen an
drei Abenden unmittelbar nacheinander erhebliche physische und psychische
Anstrengungen zugemutet und meisterte
eine Fülle schwieriger Fugen. Dabei erreichte
er den gesanglichen Gipfel im
Hosianna des Sanctus-Teils, wenn sich die Stimmen in die
komplizierteste Fuge des Werkes
stürzen und im jubelnden „In excelsis"
gipfeln.
Im Wechsel zwischen den spirituellen
und den dramatisch bewegten Messteilen sorgte Matthias Hellmons mit subtil abgestufter
Dynamik für ein überlegen gestaltetes
Klangbild. Ihm war es schließlich gelungen, die Brüche des Werkes weniger durch allzu
großen Respekt,
als vielmehr durch die Kraft
des energischen Zugriffs zu verdecken. Und so
überstrahlte denn letzten Endes
die Größe Mozarts die Schwäche
seiner Vollender.
Als Glücksfall
erwies sich das
Solistenquartett. Durch den lyrischenSchmelz und die Strahlkraftihres
ausdrucksvollen Soprans beeindruckte Johanna Winkel. Leider brachte sie durch unnötiges
Forcieren in der Höhenlage Mozarts inniges „Et incarnatus est" um einen Teil der
Wirkung. Über zwei Oktaven war Sophie
Harmsen mit den virtuosen Koloraturen
des „Laudamus te" präsent. Mit kultivierter Klangrede
gestaltete Clemens Löschmann
das anmutige Tenorsolo „Et in
spiritum sanctum", während
Gregor Loebel bassgewaltig in
das Finale einstimmte.
Die Zuhörer waren spürbar begeistert und feierten die Ausführenden
mit anhaltendem Beifall.
(Die
Glocke vom 08.10.2011)
(Bild:
dos)
Ergreifendes Chorfresko vom Leiden Christi
Von DR. ULRICH GEHRE
Lette (gl). Auf eindrucksvolle Weise hat der Musik-Verein
Oelde bewiesen, in welch hohem Maße Musik auch Verkündigung sein kann: Inmitten
der Passionszeit gestaltete der Konzertchor in der Pfarrkirche St. Vitus Lette
die Johannes-Passion und bestand bravourös seine Bach-Bewährung.
Wochenlang hatte die Chorgemeinschaft aus Musik-Verein Oelde,
Städtischem Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern das
anspruchsvolle Werk einstudiert, das von der Leidensgeschichtete und dem Tod des
Herrn berichtet. Dabei leistete Kantor i. R. Heribert F. Klein chorpädagogisch
wertvolle Hilfe. So konnte Matthias Hellmons als musikalischer Gesamtleiter am
Dienstag einen um ein Drittel vorteilhaft verschlankten Chor präsentieren, der
durch homogenen Ausgleich aller Stimmen bestach und insbesondere im zweiten Teil
der Aufführung mit Einfachheit, Anmut und Würde seinen Auftrag erfüllte.
Ihre große Bewährung bestanden die Choristen mit den
Turba-Chören in ihren leidenschaftlichen, oft schwierig fugierten Sätzen, die
die Stimmen des Volkes übernehmen: „Jesum von Nazareth", „Nicht dieser, sondern
Barrabas!", „Kreuzige ,kreuzige!" Da galt es, rhythmische Präzision zu beweisen.
Zu einem anrührenden Ruhepunkt in den klanglichen Turbulenzen geriet die von der
Viola da Gamba behutsam unterlegte innige Alt-Arie „Es ist vollbracht", ehe das
Werk in die glaubensfrohe Zuversicht einmündet: „Ich will dich preisen
ewiglich." So schloss sich der Bogen zu einem dynamisch abgestuften Hörbild von
nachwirkender Eindringlichkeit.
Mit deklamatorischem Elan und der formenden Energie seines
schlanken Tenors gestaltete Fritz Steinmeier seinen Solopart in berichtenden
Rezitativen und bewegenden Arien. Markus Krause war mit bisweilen opernhafter
Attitüde in der ausdruckvollen Charakterisierungskunst seiner profunden
Bassgebärde ebenso verlässlich zur Stelle wie Ina Siedlaczek mit forciertem
Sopran und Yvi Jänicke, die durch den weitem Atem und die schöne Kantilene ihres
Liedvortrages beeindruckte. Dorothee Jürrens, Johann Ardin Lilienthal und Gregor
Loebel rundeten die solistischen Einsätze stimmig ab. Trotz gelegentlicher
Unsauberkeiten am Beginn formte das reduzierte Ensemble der Nordwestdeutschen
Philharmonie mit den respektablen Soli von Flöte und Gambe authentisch das
akustische Gesamtbild. Spürbar beeindruckt von Werk und Wiedergabe dankten die
zahlreichen Zuhörer mit anhaltendem Beifall für die vorösterliche Gabe.
(Die
Glocke vom 21.04.2011)
(Bild:
Ossenbrink)
Giuseppe Verdis
leidenschaftliche
Chormusik
Von
DR. ULRICH GEHRE
Lette (gl).
Als die dumpfen
Schläge der Totenglocke erklangen, verharrten die vielen hundert Zuhörer in der Letter St.-Vitus-Kirche in Augenblicken ergriffenen
Schweigens, ehe beispiellose Ovationen
losbrachen. Dank für das tief greifende Erlebnis einer imponierenden Aufführung
des „Requiems" von Giuseppe Verdi.
Trotz seiner
Bindung an die kirchliche Messordnung ist das Chorwerk von undogmatischer
Aussagekraft,
setzt Leben und
Tod in krassen
Kontrasten gegeneinander: Eine Totenmesse, die
des Himmels wie
auch des Menschen
gedenkt. Vom verhaltenen
Beginn und der erschreckenden
Gewalt des „Dies
irae" spannt
sich ein Bogen über Chöre und
Soli bis hin zur kühnen Aufgipfelung
des Schlusssatzes mit seiner
atemberaubenden Chorfuge und der demutsvoll
ausklingenden Bitte um Befreiung durch
den Herrn („Libera me").
Matthias
Hellmons verstand
sich auf
dynamische Abstufungen
und präsentierte in der Bündelung
aller Kräfte die perfekt vorbereitete Chorgemeinschaft von
Musik-Verein Oelde, Stadt.Musikverein
Paderborn und Capella
Loburgensis Ostbevern. Ihr gelang in
makelloser Sauberkeit
und Intonation die achtstimmige „Sanctus"-Fuge
als musikalisches Meisterstück,
während sie sich anderseits beinahe flüsternd
zurückzunehmen wusste. Das verstärkte Orchester der
Nordwestdeutschen Philharmonie, im „Tuba
mirum" effektvoll verstärkt durch die
Bläser eines kleinen Fernorchesters
auf der Orgelbühne, folgte Hellmons'
Weisungen mit leidenschaftlicher Gebärde und breitete den opulenten
Klangteppich aus, über dem die menschlichen
Stimmen sich entfalten konnten.
Der Komponist übernahm aus
seiner Opernpraxis die Kunst,
Solostimmen dialogisch einzusetzen.
Dafür stand in diesem Fall ein
Quartett profilierter Gesangskünstler
zur Verfügung. Allen voran brachte
Dshamilija Kaiser den betörenden
Schmelz eines warm getönten Mezzo ein
und wurde damit liedgestaltend zur
künstlerischen Überraschung des
Abends. Caroline Thomas behauptete
sich mit hohem, spitzen Sopran gegen
alle Wucht des Orchesters und
vereinigte sich mit dem Mezzo im „Lacrymosa"-Satz
zum Duett von purem Wohllaut. Thorsten
Scharnkes Tenor ließ streckenweise die erwartete italienische
Belcantokultur vermissen, während Marc Coles
mit tief schwarzem Bass zuverlässig
für die dunkle Grundierung des
solistischen Bildes sorgte.
(Die
Glocke vom 25.11.2010)
Beim Festkonzert im Stadttheater Lippstadt begeisterte die heimische
Chorgemeinschaft des Musik-Vereins Oelde mit einer Aufführung von Felix
Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang":
Musik-Verein Oelde: Triumph beim Chorfest
Von DR. ULRICH GEHRE
Oelde / Lippstadt (gl). Im Festkonzert, in dem das 6.
Rheinisch-Westfälische Chorfest am Samstagabend im Stadttheater Lippstadt
gipfelte, sorgte die Chorgemeinschaft des Musik-Vereins Oelde für einen
begeisternden Höhepunkt mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Chor-Orchester-Werk
„Lobgesang".
Da der heimische Konzertchor mit seinen bewährten Partnern
Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern das Werk bereits vor
drei Jahren einstudiert hatte, bedurfte es zur Vorbereitung diesmal nur der
Verständigungsprobe mit dem Begleitorchester. Matthias Hellmons war als
musikalischer Leiter an diesem Abend so vortrefflich in Form, dass es schien,
als beflügele er mit seinem inspirierenden Dirigat das gewohnte Hausorchester.
Die Neue Philharmonie Westfalen folgte im vorgeschalteten Orchesterpart seinen
Weisungen aufs Wort und ließ sich zu instrumentalen Höchstleistungen führen.
Der breit ausgesponnenen Ouvertüre folgte nach dem
verhaltenen „Adagio religioso" der hymnische Chorjubel „Alles was Odem hat", der
sich wie ein Leitmotiv durch das Werk zieht. Die diesmal aus rund 100
Mitwirkenden bestehende Chorgemeinschaft gewann im stimmenden homogenen
Klangbild das Format eines wahren Elitechores, insbesondere in den hohen
Anforderungen des dramatisch bewegten Satzes „Die Nacht ist vergangen". Wahrhaft
ans Herz rührte die bewegende Innerlichkeit, mit der der Chor behutsam
zurückgenommen den A-cappella-Satz „Nun danket alle Gott" in wunderbarem Legato
gestaltete und im abschließenden Aufruf „Alles danket dem Herrn" kraftvoll noch
einmal alle Gesangskräfte bündelte.
Das Solistentrio entsprach dem allgemein hohen Niveau der
Aufführung. Dorothea Fries erklomm mit strahlendem Sopran mühelos die Spitzen
der Partie und vereinigte sich mit dem satten Mezzo von Dagmar Linde zu einem
Duett puren Wohllautes. Stephan Zelck setzte in der emotional bewegten Klangrede
„Stricke des Todes" solistisch eindrucksvolle Akzente. Mit anhaltendem Beifall
nahmen die fachkundigen Zuhörer das Oelder Gastspiel auf.
(Die
Glocke vom 20.09.2010)
Fein abgestimmter
Klang
"Carmina Burana" begeistert rund 800 Besucher in
der Beverhalle - Hellmons souverän
Nach der grandiosen Aufführung der "Carmina Burana" von Carl Orff in
Paderborn konnte Matthias Hellmons am Freitag ganz ohne Anspannung den
Dirigentenstab in der Beverhalle rühren. Denn bei solch großer Publikumsresonanz
war eine positive Aufnahme dieses 1937 uraufgeführten Kantaten-Werks natürliche
Folge, zumal dieses Werk selten auf so hohem Niveau interpretiert wird. Neben
den drei Gesangssolisten Sarah Davidovic, Clemens Löschmann und Markus Kraus lag
dies sicherlich an der Art, wie Matthias Hellmons den Orchesterklang der
Nordwestdeutschen Philharmonie mit den vielstimmigen Chorensemble aus der
Capella Loburgensis und den Partnerchören zusammenführte.
Der Kinderchor vereinte stimmlich die Städte Ostbevern, Oelde und Paderborn,
hier erlebte man chorische Grundlagenarbeit in perfekter Umsetzung.
Matthias Hellmons hatte sich mit der "Carmina Burana" ein wirklich
bedeutendes und anspruchsvolles Werk vorgenommen. Die Anforderungen an die
beteiligten Chormitglieder sind enorm, die Melodieabläufe mit ihren
spannungsgeladenen Intervallsprüngen und rhythmischen Verschiebungen nicht
einfach zu bewältigen. Umso bedeutender mag da die Leistung des großen
Chorensembles eingeschätzt werden, das stimmgewaltig und mit bester
Stimmgruppentrennung die grandiose Musik umzusetzen wusste. Die lateinischen und
mittelhochdeutschen Texte waren gut verständlich. Klar und detailgenau sang der
Chor mit einem sehr differenzierten Klang.
Über die Qualitäten der Nordwestdeutschen Philharmonie ist schon viel
Lobenswertes geschrieben worden. Dass dieser internationale Ruf gerechtfertigt
ist, zeigte das große Orchester an diesem Abend. Denn selten hat man einen so
feinsinnig aufeinander abgestimmten Klang gehört, der auch bei den lautesten
Stellen nicht erschlagend wirkte. Da brach niemals der melodische Fluss ab,
spielte das Orchester mit unheimlicher Akribie und Differenzierung. Bei den rein
instrumentalen Teilen wurde wunderbar musiziert, konnte das Orchester durch
tänzerische und lebendige Spielweise überzeugen. Selbst bei den grandiosen
Akkordfolgen zeigten sie eine bei der schwierigen Akustik der Beverhalle
einzigartige Sensibilität für dynamische Schattierungen.
Die drei Gesangssolisten waren bei dieser hochwertigen Interpretation eine
Bereicherung. Der Bassist Markus Krause konnte mit seiner großen, tragfähigen
Stimme den dramatischen Partien ein charakteristisches Gewand geben. Er war aber
auch schauspielerisch überzeugend — wie als leicht alkoholisierter Trinker in
einer Szene. Ob solistisch oder im Duett: Markus Krauss schaffte es, die
dramatischen Momente ohne übertriebenes Pathos zu gestalten und so eine in sich
stimmige Darstellung zu geben.
Clemens Löschmann hatte mit seiner sympathischen Persönlichkeit und seiner
exquisiten Gesangskunst sofort einen direkten Kontakt zum Publikum. Mit
ironischem Impetus gestaltete er seine Arien. Da verband sich gesangliches und
darstellerisches Talent. Bei der Sopranistin Sarah Davidovic erklangen selbst
die schwierigsten Koloraturpassagen wie leichte Singübungen. Ihr großes Talent
zeigte die grazile Künstlerin in einer sensiblen und introvertierten Gestaltung.
Mit warmem Timbre sang sie sich in die Herzen des Publikums, schenkte auch bei
den Duetten wunderbare Momente. Mit solch einer mitreißenden Interpretation
dieses allbekannten Werkes ist das Kulturleben Ostbeverns um eine ganz
inspirierende Facette bereichert worden. Da waren die stehend dargebrachten
Ovationen gleichzeitig ein Dank für so hohe Kunst.
Axel Engels
(Westfälische Nachrichten vom 31.05.2010)
Betrunkener Bassist
und gegrillter Tenor
Rundum gelungene Carmina Burana
Carl Orffs Carmina Burana - es gibt wenige Großwerke in der abendländischen
Musikgeschichte, deren Namen einem Mythos gleichkommen. Seit nunmehr über 70
Jahren lockt dieses Werk die Zuhörer in die Konzertsäle, diese scheinen willig
und in Scharen zu kommen, lassen sie sich doch offenbar gern durch Musik und
Text dieser archaisch anmutenden Klänge in die Welt des Mittelalters entführen.
Dass das Paderborner Publikum hier keine Ausnahme bildet, bewies die
Aufführung dieses Orff sehen Hauptwerkes im Rahmen des Sinfoniekonzertzyklus, in
dem sich die Nordwestdeutsche Philharmonie und der Chor des Städtischen
Musikvereins in Kooperation des Musikvereins Oelde und der Capella Loburgensis
dieser populären Musik annahmen.
Weltliche Poesie des Mittelalters - so lassen sich die literarischen Quellen
beschreiben, auf die Carl Orff im Jahre 1937 zurückgriff. Dass diese weltliche
Poesie ausgerechnet in der Klosterbibliothek der altehrwürdigen
Benediktinerabtei Ottobeuren aufgefunden wurde, verwundert auf den ersten Blick,
legt andererseits jedoch Zeugnis davon ab, dass die Welt mit ihren Versuchungen
und Freuden auch schon vor Jahrhunderten nicht vor Klostermauern halt machte.
Klanggewaltig, wie es sich gehört, geriet der mächtige Eingangschor,
beschreibend das ewig bleibende Schicksal des Menschen, bestimmt durch Göttin
Fortuna. Gut, dass solche Konzerte unter der bewährten Stabführung von Matthias
Hellmons immer in Chorunion mehrerer Ensembles ausgeführt werden, der imposante
Orchesterklang würde die Vokalsektion spielend zudecken.
Orffs Musik, das ist hinlänglich bekannt, lebt vom Rhythmus. So erwiesen sich
sowohl Orchester als auch Chor als außerordentlich rhythmisch sicher, die teils
zügigen Übergänge gerieten nahtlos und fließend, ohne Wackler, die sich in
dieser Musik schnell einstellen können.
Trotz modernen Personalstils bleibt Orffs Musik für den Zuhörer immer
mitreißend und packend, ja sogar kurzweilig im positiven Sinne. Die Idee, einige
der Stücke plastisch-theatralisch darzustellen, konnte nur begrüßt werden. So
schlich sich Clemens Löschmann (Tenor), ganz in weiß gekleidet, als sterbender
Schwan in der Pfanne auf seine Position, um hier in herrlich ironischer Weise
dem Leid des gegrillten Geflügels zu huldigen. Der dem Publikum seit langem
bekannte Bassist Markus Krause nahm gar die Rolle des betrunkenen Abtes so
wörtlich, dass er, mit zwei Bierflaschen bewaffnet, den Weg zum Dirigentenpult
suchte, um dem Kapellmeister an seinen weltlichen Freuden teilhaben zu lassen.
Kleine Augenzwinkereien, die sich aber überzeugend in die Aufführung einfügten.
Dass das Werk gar dem vor vier Jahren gegründeten Nachwuchschor des
Städtischen Musikverein Betätigungsfeld bietet, bewies Hellmons als
künstlerischer Leiter, indem er die jungen Stimmen des Kinder- und Jugendchores
mit kleinen Partien im dritten, der Liebe gewidmeten, Teil in das große Ganze
einband. Hier hatte nun auch die dritte Solistin, Sarah Davidovic (Sopran),
ihren Einsatz. Mittels ruhiger Führung bildeten ihre Parts wohltuende Gegensätze
zu den sonst eher turbulent und burlesk anmutenden Szenen.
Thomas Schulze-Athens
(Neue Westfälische vom 28. 05. 2010)
"O Fortuna" aus 100
Kehlen
Effektvolle Aufführung des Orff-Werkes
Carl Orffs Carmina Burana, wohl eines der populärsten Chorwerke des 20.
Jahrhunderts überhaupt, stand im Mittelpunkt des letzten Konzertes in der Reihe
der Städtischen Musikkonzerte dieser Saison.
Es gibt Komponisten, die verdanken ihren Ruhm und ihre ungebrochene
Popularität einem einzigen Werk. Zu ihnen gehört auch der 1982 in München
verstorbene Komponist Carl Orff, dessen deftige lateinisch-mittelhochdeutsche
Huldigung an das Mittelalter, an Wein, Weib und Gesang als ein Sensationserfolg
gilt.
Mit mehr als 100 Sängerinnen und Sängern huldigte die Aufführung in der
Paderhalle durch die Chöre des Musikvereins Oelde, der Capella Loburgensis
Ostbevern sowie des Konzertchores und der Kinder- und Jugendchöre des
Städtischen Musikvereins Paderborn und des Kinderchores der Capella Loburgensis
Ostbevern am Mittwochabend zugleich dem Schöpfer des modernen Urtheaters.
Die von Carl Orff getroffene Gedichtauswahl der um 1230 entstandenen I.
Handschrift der »Lieder aus Benediktbeuern« gewinnt aus einer raffinierten
Synthese von eingängig-volkstümlicher Melodik, hämmernder Motorik und
perkussiv-farbigem Orchesterklang ihre Schlagkraft, die in Paderborn in der
vollen Länge des Originals von 65 Minuten zum Singen und Klingen gebracht wurde.
Sofern man bei Orff über chorische Schlagkraft und rhythmisch sprachliche
Perfektion hinaus überhaupt von »Interpretation« sprechen kann, näherten sich
die Sängerinnen und Sänger dem Werk mit seinem dröhnend-eingängigen Eingangschor
»O Fortuna«, der bis heute nicht nur als Inbegriff einer Schokoladenwerbung
gilt, mit musikalischer Frische und Klangpracht. Im Mittelpunkt der
weiterführenden chorischen Gestaltung stand durchgängig die temperamentvolle
Darstellungen der unterschiedlichen Stimmungen: Mit oft drastischem Humor und
einer Menge Einfühlungsvermögen in die teils lockeren, teils
nachdenklich-moralisierenden lateinischen Lieder wechselten sich Derbheit
(Trinklieder der zweiten Szene) und Zartheit (Liebeslieder der Frühlingsfeier),
mächtige Klangsubstanz und durchsichtiges Gewebe in den einzelnen Stimmen mit
bemerkenswerter sprachlicher Plastizität ab.
Besonders herausgestellt werden die Kinderchöre aus Paderborn und Ostbevern
sowie der Jugendchor, die mit sauberer Intonation und großer Aufmerksamkeit das
»Totus Floreo« klangschön interpretierten. Die Solisten - Sarah Davidovic
(Sopran), Clemens Löschmann (Tenor) und Markus Krause (Bass) - waren den
erheblichen stimmtechnischen Ansprüchen und den extremen Lagen, in denen sie
ständig singen mussten, souverän gewachsen. So zeichnete Clemens Löschmann im »Olim
lacus colueram« stimmlich geradezu bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten
gefordert, auch gestisch vorzüglich die »psychischen Nöte« des gebratenen
Schwans mit großer Hingabe nach, Markus Krause trug das »Estuans interius« mit
prächtig stimmlichen Glanz vor und Sarah Davidovic begeisterte durch ihre sehr
empfindsame, technisch makellose Gestaltung des »Dulcissime«.
Immer wieder mobilisierte Matthias Hellmons (Choreinstudierung und
musikalische Leitung) die kompositorischen Elementarkräfte an ostinater Rhythmik
und tänzerischer Ekstatik, die die durch Pauken, Schlagzeug und Flügel
spieltechnisch hervorragend verstärkte Nordwestdeutsche Philharmonie mit
Spielfreude (besonders klangschön in der Soloflöte), stählernem Martellato und
temperamentvoll vorwärtstreibender Rhythmik theatralisch-effektvoll,
insbesondere in den Blechbläsern, ausbreitete. Insgesamt eine Konzeption, die
einerseits durch verhaltene Tempi zu plastischer und präsenter Gliederung
führte, andererseits durch impulsiv-schwungvolle Farbigkeit unmittelbar mitriss,
»Bravo«-Rufe und begeisterter Beifall erzwangen zwei Zugaben.
Günther Wiedemann
(Westfälisches Volksblatt vom
28.05.2010)

Berauscht vom Klang und Rhythmus
Von DR. ULRICH GEHRE
Oelde (gl). Als mit „O Fortuna", dem hymnischen Lob auf die
wankelmütige Glücksgöttin, das Finale erreicht war, da hielt es die vielen
hundert Zuhörer in der dicht besetzten Logistikhalle von Haver & Boecker in
Oelde nicht mehr auf den Plätzen. Begeistert feierten sie mit stehend
dargebrachten Ovationen ein Musikereignis von außergewöhnlichem Rang.
Sicherlich gehören die „Carmina Burana", Orffs „profane
Gesänge" nach einer alten Benediktbeuerner Handschrift, mit ihrem stupiden
Einhämmern immer wiederholter Phrasen nicht eben zur Elite der Chorliteratur.
Gleichwohl bietet das Opus reizvolle Aufgaben für eine Chorgemeinschaft, die
sich den rhythmischen und klanglichen Herausforderungen stellen will. Matthias
Hellmons hatte mit dem Musik-Verein Oelde und den mit ihm kooperierenden
Städtischen Musikverein Paderborn, der Capella Loburgensis Ostbevern und den
Unterstufenchören der Gymnasien ganze Arbeit geleistet. Carl Orffs Komposition
von 1937 mischt Volksliedhaftes, Tänzerisches und Kultisches in glücklicher
Verbindung zu einem lebensfrohen Hymnus auf Glück und Liebe, Trinkgelage und
Frühling.
Der Chor - die Damen angetan mit bunten Schals - bot optisch
ein farbenfrohes Bild. Er steigerte sich im homogenen Einsatz, in dem auch die
Männerstimmen kraftvoll ihren Part behaupteten, von der Einleitung bis zum
ergötzlichen „Oh-oh-totus florio!" in einem einzigen Crescendo, ehe das
einleitende „O Fortuna" abschließend wiederholt wurde. Mit seinen hellen Stimmen
mischte der Kinderchor in seinen beiden Einsätzen das Klangbild vorteilhaft auf.
Der Nordwestdeutschen Philharmonie gelang die klangliche Differenzierung des
musikalischen Gesamtbildes.
In den opulenten Chorklang brachte sich ein Solistenterzett
mit ungewöhnlichen Aufgaben ein. Markus Krause schwang sich in seinem humorig
gewürzten Vortrag aus angestammter Basstiefe in seinen Soli hinauf in tenorale
Höhen und erwies sich inmitten aller Klangballungen als sicherer Fels in der
Brandung. Für Heiterkeit sorgte Clemens Löschmann, der im hohen Falsettgesang
das Schicksal des gebratenen Schwans beklagte. Die junge Sopranistin Sarah
Davidovic brachte einen Hauch weiblichen Zaubers in die raubeinige Welt
trinkfroher Männer, als sie „In trutina" gestaltete oder sich in den
artistischen Höhenregionen der „Dulcissime"-Arie über den dunklen Streichern
behauptete.
(Die
Glocke vom 31.05.2010)
(Bild:
Ossenbrink)
Bewegendes Mozart-Mosaik begeistert Zuhörer
Von DR. ULRICH GEHRE
Lette / Oelde (gl). Es war ein mutiger, aber, wie das
Ergebnis beweist, gelungener Versuch, das „ Requiem"
von Wolfgang Amadeus Mozart bei der original nur 55-minütigen Aufführungsdauer
in einen größeren geistig-geistlichen Zusammenhang zu stellen. Mit diesen
Erweiterungen in Text und Musik geriet das Chorwerk in der Letter Pfarrkirche
St. Vitus zu einem Mozart-Mosaik von trostvoller Verheißung.
Als der Tod dem sterbenskranken Mozart 1791 beim „Lacrimosa"-
Satz die Feder aus der Hand genommen hatte, lagen gerade mal die ersten 40
Seiten des Opus KV 626 abgeschlossen vor. Seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr
oblag die Vollendung des Werkes, die ganz im Sinne des Meisters ohne
stilistische Brüche gelang. Darum erscheint uns das Fragment heutzutage wie aus
einem Guss und erklang in eindrucksvoller Geschlossenheit auch in der erneuten
Aufführung.
Das Werk beginnt im düsteren d-Moll des „Requiem aeternam",
lässt mit dem „Kyrie eleison" eine erste komplizierte Doppelfuge folgen. Werk
und Aufführung stellen Chor und Solisten im furchterregenden Fortissimo des
„Dies irae" ebenso vor beträchtliche Herausforderungen wie der majestätische,
von der Soloposaune eingeleitete Satz des „Tuba mirum", ehe die überwältigende
Großartigkeit der hoheitsvollen dreimaligen „Rex"-Rufe und weitere fehlerlos
gemeisterte Chorfugen in das breite lyrische Aussingen des Schlussteils
einmünden.
Durch bewusste Reduzierung der sonst beherrschenden
Frauenstimmen entwarf Matthias Hellmons als musikalischer Leiter im
ausgeglichenen Chorklang ein erbauliches Hörbild, das das große Stimmmaterial
der Chorgemeinschaft Musik-Verein Oelde, Städtischer Musikverein Paderborn und
Capella Loburgensis Ostbevern klangschön aufleuchten ließ. Stimmtechnisch
absolut auf der Höhe und ausgeglichen in der Balance, gelang in differenzierten
Abstufungen eine überzeugende Umsetzung der anspruchsvollen Vorlage. Nach
einleitenden Glockenschlägen war zuvor die herbe Gregorianik frühchristlicher
Liturgie erklungen, auf die alle folgende musikalische Entwicklung sich beruft.
Mit den opulent besetzten Streichern der auf Mozart-Format beschränkten
Nordwestdeutschen Philharmonie und dem bekannten Konzertmeister Lajos Farkas am
ersten Pult musizierte Matthias Hellmons als erste Einlage das dunkel
umschattete Adagio aus Mozarts d-Moll-Streichquartett KV 421, während er
Requiem-Part durch das ergreifende „Laudate dominum" unterbrochen wurde. An das
„Lux aeterna"-Finale des Fragments schloss sich Mozarts kleine Motette „Ave
verum corpus" an: Mit keiner innigeren Melodie hätte die Aufführung ausklingen
können.
Fünf hoch qualifizierte Solisten überzeugen
In lyrisch schlanker Tongebung beeindruckte Sarah Dierkes mit
ihrem hoch ausgelegten, glockenhellen Sopran. Mit tragfähigem Alt vermochte Yvi
Jänicke in nahtlosen Registerwechseln seelenvoll abzutauchen. Clemens Löschmann
im Belcantoschmelz des verkündigungsfrohen Tenors und die von Markus Krause
verlässlich bediente bassdunkle Grundierung vereinigten sich zu einem hoch
qualifizierten Solistenquartett.
Zu ihm gesellte sich als Fünfter im Bunde der Bielefelder
Schauspieler Stefan Gohlke, der in würdevollem Ernst klug ausgewählte
Mozart-Briefe und biblische Texte mit sprechtechnischer Perfektion zu Gehör
brachte.
Nach Minuten andachtsvoller Stille brach ein Beifallssturm
ohnegleichen los. Mit stehend dargebrachtem Applaus dankten die vielen hundert
begeisterten Zuhörer in der voll besetzten St.-Vitus-Kirche für einen der
beglückendsten Auftritte dieser Chorgemeinschaft. Er war von der
Rudolf-Haver-Stiftung maßgebend unterstützt worden.
(Die
Glocke vom 26.11.2009)
Zelter-Plakette für den Musik-Verein
Oelde (ug). Als „Auszeichnung für die in langjährigem
Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik" hat Bundespräsident
Horst Köhler dem Musik-Verein Oelde die Zelter-Plakette verliehen. Die Würdigung
versteht sich als Anerkennung für Chorvereinigungen, die seit mindestens 100
Jahren bestehen.
Für den heimischen Konzertchor, der 2007 an seine Gründung
vor 100 Jahren erinnerte, nahm der Vorsitzende Friedhelm Heese in Begleitung
seines Stellvertreters Bernhard Thier Bronzeplakette und Urkunde mit der
Unterschrift von Horst Köhler kürzlich auf einem Festakt in der Stadthalle Neuss
aus der Hand von NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff
entgegen. Bei gleicher Gelegenheit erhielten weitere 24 Chorgemeinschaften und
Gesangvereine des Landes die Bronzeplakette mit dem Relief Carl Friedrich
Zelters (1758- 1832). Er hatte seinerzeit die Berliner Singakademie gegründet
und das volkstümliche Musizieren im alten Preußen entscheidend beeinflusst. In
seiner Festansprache wies Grosse-Brockhoff darauf hin, dass die Landesregierung
Nordrhein-Westfalen durch gezielte Programme wie „Kultur und Schule" und „Jedem
Kind ein Instrument" alle Kinder und Jugendlichen an der musikalischen Bildung
teilhaben lassen wolle.
Friedhelm Hesse freute sich für den Musik-Verein, der im
Verband Deutscher Konzertchöre organisiert ist, über die hohe Auszeichnung. Sie
war im Vorfeld durch die Stadt Oelde begründet worden. „Oelde schätzt sich
glücklich, einen derart leistungsfähigen und erfolgreichen Chor innerhalb seines
Ortes zu haben", heißt es in der Beurteilung von Bürgermeister Helmut Predeick.
Er würdigt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Chorkonzerte ohne
Beanspruchung städtischer Fördermittel durchgeführt werden. „Ich danke allen
Mitwirkenden im Musik-Verein für ihre wichtige Arbeit und bin stolz auf das
große künstlerische Werk", schließt das Bewertungsschreiben...
(Auszug
aus: Die
Glocke vom 09.06.2009)
 (Bild:
Gehre)
Für den Musik-Verein Oelde
nahm der Vorsitzende Friedhelm Heese die Zelter-
Plakette als Auszeichnung seines Chores entgegen.
(Bild:
Die Glocke)
Frühjahrskonzert am 16.05.2009 in Oelde - Logistikhalle HAVER & BOECKER:
Joseph Haydns Gotteslob in ländlicher Idylle
Von DR. ULRICH GEHRE
Oelde (gl). Wer so wie der Musik-Verein Oelde auf die
ungebrochene Popularitä t
Haydns vertraut und auf die eindringliche Kraft seiner Musik setzt, dem gelingt
auch die wundersame Verwandlung einer nüchternen Werkhalle. Und so wurde aus dem
neuen Logistikzentrum auf dem Firmengelände Haver & Boecker ein veritabler
Musentempel, als dort am Samstagabend das Oratorium „Die Jahreszeiten" erklang.
Damit wiederholte sich, was der damalige Firmenchef Rudolf
Haver vor 53 Jahren - gleichfalls für die „Jahreszeiten" - begonnen hatte, als
er erstmals eine Werkhalle zum Konzertraum umrüsten ließ. Das Opus breitet nach
jeweils einem instrumentalen Vorspiel in Arien, Ensembles und ausgedehnten
Chorszenen einen vielfarbigen musikalischen Bilderbogen aus. Ohne eigentliche
Handlung schildert Joseph Haydn in volkstümlicher Einfachheit den Ablauf von
Frühling, Sommer, Herbst und Winter aus der Sichtweise biederer Landleute.
Dieses Gesangsfest wurde zu einem Triumph für Matthias
Hellmons. Der musikalische Gesamtleiter verstand es, Anmut, Schlichtheit und
Würde des Werkes umzusetzen und die volle Palette sängerischer
Gestaltungsmöglichkeiten zu entfalten. Selten zuvor zeichnete die vorteilhaft
auf 100 Stimmen verschlankte Chorgemeinschaft aus Musik-Verein Oelde,
Städtischem Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern so
transparente Hörbilder voll innerer Spannung. Ob in der schwierigen Fuge „Holder
Lenz", im unentwegten Crescendo beim zweimaligen Amen des Finales, ob in den
Jubelchören oder der derb-fröhlichen Szenerie der Zecher im herbstlichen
Erntefest: Rhythmisch exakt und stimmlich sensibel bewährte sich der Chor im
homogenen Ausgleich der Stimmen, die lediglich in den Tenören noch effektvoller
Verstärkung bedürfen. Matthias Hellmons, der die Secco-Rezitative selbst am
Cembalo begleitete, wusste geschmackvoll abzustufen, hatte den Mut zum Piano,
zur Pause und ungewöhnlichen Phrasierung.
Wesentlichen Anteil am Erfolg hatte ein hoch qualifiziertes
Solistenterzett. Dabei outete sich Cornelie Isenbürger als gefühlvolle
Liedgestalterin von weit ausschwingender, blühender Kantilene und verband die
strahlende Grazie ihres hohen Soprans mit bewegender Innerlichkeit, mit
singender Anmut in Spinnerlied und Ballade. Sie vereinigte sich im mozartisch
anmutenden Duett Hanna / Lukas auf entzückende Weise mit Gregor Poplutz, der ein
übers andere Mal mit der Belcanto-Klarheit des klassischen Oratorientenors
beeindruckte. Markus Krause gestaltete koloraturensicher mit Feingefühl jede
Note seines umfangreichen Bassparts im Zusammenhang von Inhalt und Form. Nur wer
das Technische des Vertrags in allen Feinheiten beherrscht wie er, vermag auch
innig ans Herz zu rühren.
Ausgezeichnet aufgelegt folgten die Musiker der
Nordwestdeutschen Philharmonie mit ihren opulent besetzten Streichern und den
makellos intonierenden Bläsergruppen den stilprägenden Wegweisungen des
Dirigenten. Sie gestalteten behutsam die lautmalerischen Spielereien des
Komponisten, ließen winterliche Nebel wallen, das Fortissimo des Gewitterbildes
donnern, die Sonne chromatisch aufsteigen und sorgten für die solide Grundierung
des musikalischen Bildes.
Mit stehend dargebrachten Ovationen äußerten die vielen
hundert Zuhörer ihre Begeisterung über die Aufführung, die von der
Rudolf-Haver-Stiftung unterstützt worden war. Mit der vorausgegangenen
„Schöpfung" der Cappella Joannea konnten die Oelder Musikfreunde Haydns
bedeutende Oratorien im Jubiläumsjahr des Komponisten innerhalb von nur drei
Wochen in kompetenten Aufführungen erleben. Welch ein Glücksfall!
(Die
Glocke vom 18.05.2009)
Herbstkonzert am 21.11.2008 in Oelde-Lette:
(Bild:Stahnke)
Mendelssohn mit moderner Zugabe
Von DR. ULRICH GEHRE
Lette (gl) Die Glaubensinbrunst großer Chorsätze der Romantik
wies im Konzert des Musik-Vereins Oelde am Freitagabend in der Pfarrkirche St.
Vitus Lette bereits auf die kommende festliche Zeit der Heilserwartung hin.
Zuvor jedoch waren die Zuhörer durch ein Stück gemäßigter Moderne gefordert
worden, für das eingangs Chorleiter Matthias Hellmons um Verständnis werben
musste.
Reichlich ungewohnt erklang denn auch das 1968 entstandene
„Magnificat" von Dietrich Manicke, mit dessen Aufführung Hellmons seinen
ehemaligen Lehrer an der Detmolder Musikhochschule zum 85. Geburtstag ehren
wollte. Das kurze Opus vermischt gregorianische Errungenschaften
mit moderner Tonsprache. Über den opulenten Streichern, in
deren beständigem, ruhig dahin fließendem Unisono Blechbläser ihre markanten
Akzente setzen, figuriert höchst kunstreich der Mezzosopran. Für die
anspruchsvolle Aufgabe war mit Anne Baumgarte, die sich im kontrastierenden
Rhythmus zum Orchester durchzusetzen wusste, eine vortreffliche Solistin
gefunden worden. Facettenreich, mit angenehmem Timbre gestaltete sie bis in die
Spitzen ihren Solopart.
Würdevoll und mit achtbarer Disziplin ging die
Chorgemeinschaft aus dem Musik-Verein Oelde, dem Städtischen Musikverein
Paderborn und der Capella Loburgensis ihre Aufgabe an, die 2. Sinfonie B-Dur op.
92 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der weit ausgesponnenen, dreiteiligen
Ouvertüre mit ihrem sehr lyrischen „Andante religioso"folgt der hymnische Jubel
„Alles was Odem hat", der sich als eine Art Leitmotiv bis zum Finale durch das
Werk zieht. Hellmons vermochte alle Kräfte zu bündeln und den riesigen Apparat
nuancenreich zu führen: kontrastvoll in den Jubelchören, denen eine behutsame
Dämpfung der allzu kraftvollen Soprane gut täte, meditativ im Choral,
spannungsvoll in den kontrapunktischen Passagen. Der Chor folgte
reaktionsschnell allen Weisungen in einnehmender Klangrede, rührte mit dem
A-cappella-Satz „Lobe den Herrn" in wunderbarem Legato ans Herz und lief zur
großen rhetorischen Form auf im Aufruf „Alles danke dem Herrn!"
Neben Anne Baumgarte, die im „Lobgesang" den Part des Sopran
II vertrat, erreichte Regina Neumüller zwar nicht das sonst bei diesen Chören
übliche Solistenformat, setzte aber ihren schnörkellos geführten Sopran korrekt
ein und vereinigte sich mit dem Mezzo im Duett von purem Wohllaut. Clemens
Löschmann beeindruckte mit seinem schlanken Tenor in der ausdrucksvollen Lyrik
des reinen Belcanto.
Zwischen dem Dirigenten und dem Orchester der
Nordwestdeutschen Philharmonie bestand an diesem Abend, an dem Lajos Farkas
inspirierend erneut ans erste Pult zurückgekehrt war, ein sicht- und hörbares
Einvernehmen. Auch auf seine Weise sorgte der große, präzise
agierende Klangkörper für Hörbilder von nachwirkender Eindringlichkeit. Die
Zuhörer im voll besetzten Kirchenschiff dankten mit stehend dargebrachtem
Beifall. Da der Komponist Dietrich Manicke seiner hiesigen Erstaufführung nicht
persönlich beiwohnen konnte, ließ er der Solistin einen Blumenstrauß
übermitteln.
(Die
Glocke vom 24.11.2008)
Frühjahrskonzert am 30.05.2008 in Oelde-Lette:
(Bild:Suppliet)
Beethovens hymnisches Gotteslob
Von DR. ULRICH GEHRE
Oelde (gl). Mit einer Wiedergabe von Ludwig van Beethovens
anrührender C-Dur-Messe op.86, die durch die Frische und Vitalität des
Chorklanges ebenso überzeugte wie durch die bravourösen Leistungen eines hoch
qualifizierten Solistenquartetts, meldete sich der Musik-Verein Oelde kurz nach
den Anstrengungen seines vergangenen Jubiläumsjahres eindrucksvoll zurück.
In der gut besetzten Letter Pfarrkirche St. Vitus reihte
Matthias Hellmons am Freitagabend die fünf Teile des Werkes zügig aneinander, so
dass der Eindruck eines spannenden Musikdramas entstand, das anderseits auch
Mitleid, Versenkung und Trost bietet. Das Kyrie, mit dem der Chorbass a cappella
einsetzt, geht in einem gewaltigen Ansturm pausenlos in das Gloria über. Dort
aber beschreibt das Altsolo in der lyrischen Anmut des „Qui peccata mundi" die
bewegende Herzmitte des Opus ebenso wie im weiteren Verlauf der weit
ausgesponnene Benedictus-Dialog von Chor und Quartett in seinem bezwingenden
Wohllaut.
Dazwischen lagen die Bewährungen für die aus Musik-Verein
Oelde, Stadt. Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern gebildete
Chorgemeinschaft. Insbesondere in den klippenreichen Fugen am Schluss der
jeweiligen Teile hatte Hellmons den Riesenchor auf Reaktionsschnelle und
Prägnanz bestimmt. Nicht oft hört man so reine Akkorde, eine so geschmeidige
Differenzierung und Leuchtkraft, eine solch routinierte Wendigkeit vortrefflich
geschulter Sängerinnen und Sänger, denen an dem schwülen Frühsommerabend auch
physisch einiges zugemutet worden war.
Auf der instrumentalen Seite glänzte das hoch motiviert und
einfühlsam aufspielende Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie mit
exzellenten Solisten an diversen Pulten. Ein nachwirkendes Hörerlebnis
vermittelten die vier, in das liturgischmusikalische Geschehen eingebundenen,
viel beschäftigten Solisten. Die große Überraschung des Konzertes war die junge
Oldenburger Altistin Wiebke Lehmkuhl, der schon jetzt eine viel versprechende
Karriere vorauszusagen ist. Mit ihrer warm timbrierten, modulationsfähigen
Stimme sorgte sie für Momente der Besinnung und fast intimen Beschaulichkeit.
Mit der hellen Strahlkraft ihres höhensicheren Soprans war Johanna Winkel zur
Stelle. Georg Poplutz schlankem, ausdruckvollem Tenor fehlte die kraftvolle
Durchsetzung, während Markus Krause im wandlungsfähigen Bassgrund stets
passenden Ausdruck fand.
Nur eine Dreiviertelstunde dauerte die eindrucksvolle
Aufführung. Während man knappen Stücken dieser Art normalerweise kürzere Messen
oder Kantaten zur Programmfüllung hinzufügt, erklang nun erstmals und
überraschend im sakralen Raum weltliche Musik. Einleitend sorgte Matthias
Hellmons als umsichtiger Dirigent mit den aufmerksam auf ihn reagierenden
Philharmonikern für eine facetten- und farbenreiche Wiedergabe der kurzen
Beethoven- Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus" op.43.
Mit weltlichem Rahmenprogramm
Nach schweren Orchesterakkorden lässt der Dirigent behutsam
die Beethoven- Melodie aufsteigen, betont breite Feierlichkeit ebenso wie
tänzerische Leichtigkeit in feiner dynamischer Abstufung.Als drittes Stück hatte
die weltliche Kantate „Schicksalslied", der Johannes Brahms einen Textvon
Friedrich Hölderlin zugrunde legt, ihren Platz in dem ungewöhnlichen
Programm.Das Opus 54 von 1871 schildert in kontrastreichen Farben die Idylle des
Götterlebens und die Tragik des Menschendaseins in tonmalerischen Wendungen.
Hellmons und seine Sängerschar nahmen sich des Werkes mit
Sensibilität und Kunstverstand an in einer Aufführung, die weithin ohne das oft
strapazierte Forte auskam und durch Wortverständlichkeit gefiel.
Es rundete auf seine Weise das niveauvolle Konzert ab, das
mit dankbarem Beifall der Zuhörer in Lette aufgenommen wurde.
(Die
Glocke vom 02.06.2008)
Jubiläums- und
Herbstkonzert am 23.11.2007 in Oelde-Lette:

(Bild:Stahnke)
Klangvolle Ehrung des Hl. Franziskus
Von DR. ULRICH GEHRE
Oelde / Lette (gl). Das große Aufführungspodest in der Letter
Pfarrkirche St. Vitus reichte kaum aus, die Massen der Mitwirkenden zu fassen.
Sie gestalteten am Freitagabend im harmonischen Zusammenwirken von Chor,
Orchester und Solisten das gewaltige Tonfresko von Hermann Suters Lobgesang „Le
Laudi": festliche Gabe zur Feier des 100. Geburtstags des Musik-Vereins Oelde.
Wie ein roter Faden zog sich das 1925 geschaffene Werk nach
dem Sonnengesang des Hl. Franziskus als Kompendium aus gläubig bewegter
Tonsprache und zusammenfassender Gebärde durch die Geschichte des heimischen
Vereins. Mit seiner nunmehr fünften Einstudierung gelang Matthias Hellmons und
seinen Sängerinnen und Sängern erneut der Beweis für ihre überregional beachtete
Leistungsfähigkeit.
Das stellenweise monströse Opus lebt aus den Gegensätzen:
Wuchtige Chöre wechseln mit lyrischen Passagen, kleine Besetzung wechselt mit
großem Klangaufgebot. Der Sonnengesang entwickelt sich nach dem einleitenden
Tenorsolo aus dem Motiv des „Gloria" zu einer monumentalen, von leuchtenden
Farben überstrahlten Einheit, die mit dem Jubel des „altissimo Signore" den gut
besetzten Männerstimmen die Chance vortrefflicher Bewährung bot.
Die Großartigkeit der Quadrupelfuge an den Wind (Nr. 3)
erreichen in dieser Form nur wenige Chöre von Bach oder Händel. Als Gegenstück
dazu bringt der Lobgesang auf das Feuer (Nr. 5) eine bewegte Passacasglia des
Orchesters in Verbindung mit einer schwierigen Tripelfuge, die der Chor
problemlos meisterte.
Im weiteren Verlauf der Aufführung von nur
eineinviertelstündiger Dauer folgen Gesänge im weihevollen Pathos auf die Liebe
und die Friedfertigen und, als düsterer Gegensatz, auf den Tod. Der
Schlussgesang führt motivisch zum „Laudate" des Auftakts zurück und lässt das
Werk im stillen „Amen" mystisch ausklingen. Mit dem feiernden Musik-Verein Oelde
waren in bewährter Chorgemeinschaft der Städtische Musikverein Paderborn und die
Capella Loburgensis beteiligt. Zu ihnen gesellten sich die klangfrischen
Kinderstimmen des Unterstufenchors des Gymnasiums Johanneum Ostbevern Die
bestens geschulten Chöre kosteten im homogenen Stimmklang alle Extreme mit hoch
entwickelter Musikalität und Disziplin voll aus.
Matthias Hellmons wählte zügige Tempi und bevorzugte
bekanntermaßen lautstarkes Fortissimo-Volumen, wusste andererseits aber auch
ruhige Passagen wie das Idyll des „Luft"-Quartetts (Nr. 4) behutsam zu
dosieren. Selbst in schwierigsten polyphonen Verflechtungen behielt er souveräne
Übersicht und gab zur rechten Zeit die notwendigen Impulse. Die Nordwestdeutsche
Philharmonie war mit verstärkter Besetzung einschließlich Orgeln, Klavier, Harfe
und Celesta zur Stelle und erfüllte sensibel motiviert die Grundierung des
musikalischen Tableaus.
Hochrangiges Solistenquartett
Das zum festlichen Auftakt aufgebotene Solistenquartett
entsprach in jeder Position dem selbst gewählten hohen Anspruch. Obwohl noch in
der Anfangsphase ihrer Karriere, brillierte Sarah Dierkes makellos im hohen
Sopranpart mit gefühlvoller Emphase und herrlich ausschwingender Kantilene. Anne
Baumgarte brachte für die liedgestaltende Lyrik das warmgetönte Timbre ihrer
kultivierten Altstimme ein, während Andreas Wagner mit dem Belcantoglanz seiner
tenoralen Klangrede aufzuwarten wusste. Bei Aufführungen dieser Art von jeher
geschätzt, war Markus Krause in der sonoren Tiefe und kernigen Mittellage seines
Basses mit modulierender Kraft und Stimmschönheit zur Stelle.
So wirkten denn letztlich alle Teile des bewegenden Werks wie
aus einem Guss. Mit dem stehend dargebrachten Schlussapplaus bedankten sich die
nahezu 700 Zuhörer in der vollbesetzten St.-Vitus-Kirche bei den 250
Mitwirkenden für ein weit über das Jubiläum hinaus nachwirkendes Kulturereignis.
(ug)

(Bild: Stahnke)
Besonders geehrt wurde der 1. Konzertmeister der
Nordwestdeutschen Philharmonie, Lajos Farkas (1.), auch von Friedhelm Heese, der
im Namen des Musik-Vereins Oelde sprach.
„Aushängeschild unserer Region"
Am Schluss der Festaufführung in der Letter St.-Vitus-Kirche
unterbrach Matthias Hellmons die Beifallwogen der begeisterten Zuhörer, um Lajos
Farkas zu danken. Der Musiker wirkte vor seinem altersbedingten Ausscheiden aus
der Nordwestdeutschen Philharmonie an diesem Abend zum letzten Mal als
Konzertmeister des Herforder Orchesters. Der musikalische Leiter erinnerte an
eine seit 19 Jahren bewährte künstlerische Zusammenarbeit und überreichte dem in
Oelde höchst populären Violinisten aus Ungarn zur bleibenden Erinnerung an die
Kooperation seine Arbeitspartitur des gemeinsam einstudierten „Requiems" von
Antonin Dvorak.
Lajos Farkas sorgte mit seinem Kammerquartett auch für den
stilvollen Rahmen beim Jubiläumsfestakt, der im Anschluss an die Aufführung alle
Chormitglieder im Hotel Hartmann zusammenführte. Deren stets idealistischen
Einsatz würdigte Vorsitzender Friedhelm Heese. Er dankte Dirigent und Solisten
sowie nicht zuletzt der Familie Haver für immerwährende Unterstützung. Heese
erinnerte an die Vereinsgründung vor 100 Jahren und begrüßte als Ehrengäste
unter anderem den Vorstand des MGV Oelde und Engelbert Buhr aus Wuppertal,
Chordirigent in den Jahren 1974 bis 1989.
„Die Freude, die uns mit dieser großen Aufführung bereitet
wurde, kehrt nun zu Ihnen zurück", gratulierte Bürgermeister Helmut Predeick im
Namen der Stadt Oelde. Er nannte den Musik-Verein ein Aushängeschild der Region,
das auch unserer Stadt zur Ehre gereiche, und erhoffte sich auch für die Zukunft
von ihm eine Bereicherung des heimischen Kulturlebens.
Viel Anerkennung für das selten aufgeführte „Le Laudi"-Opus
in seiner Oelder Wiedergabe sprach Elmar Bergmann aus, der Vorsitzende des
Landesverbandes im Verein Deutscher Konzertchöre (VDKC). Er überreichte
Friedhelm Heese eine Ehrenurkunde. Sie würdigt die Arbeit des heimischen Chors,
der einer unter 140 Spitzenchören in NRW ist.
Das Schlusswort hatte Dr. Ulrich Gehre. Unter den acht Tönen
der C-Dur-Tonleiter umriss er in Kurzkapiteln die Geschichte des Musik-Vereins
und schloss mit Paul Gerhardts kategorischem Imperativ. „Wachauf, meinHerz, und
singe!"
Ein gemeinsames Abendessen beendete zu später Stunde Festtag
und Jubiläumsjahr zugleich. (gl)
(Die
Glocke vom 26.11.2007)
Frühjahrskonzert am 02.06.2007 in Oelde, Franz-Arnold-Halle, Pott's Brauerei:
Ein Opernfresko
gewaltiger
Klangmassen
Von DR. ULRICH
GEHRE
Oelde (gl).
Große Oper im
kleinen Oelde: Der
Musik-Verein
machte mit Hilfe der Rudolf-Haver-Stiftung
den Ausnahmefall
möglich und bot in Abweichung
vom üblichen Programmschema
geistlicher
Chorwerke ein Konzert mit Szenen aus berühmten
Opern des 19. Jahrhunderts.
Der gewohnte
Sakralraum war
eingetauscht worden gegen die
neue Franz-Arnold-Halle der
Pott's Brauerei,
die inmitten hoher Wände von Bierkisten den
nüchternen, akustisch aber passenden
Rahmen für das Konzert bot, als Matthias Hellmons am frühen Sonntagabend den Auftakt gab.
Vorbereitet durch die
sachkundige Moderation Christoph
Gockel-Böhners vom Kulturamt Paderborn, zogen vor den
Ohren der vielen hundert Zuhörer
chorisch die
jubelnden und verzweifelten, die huldigenden und
die aufgepeitschten Volksmassen
vorüber, die den Kern von Modest
Mussorgskis Volksdrama „Boris
Godunow" ausmachen.
Schon die ersten Takte der Partitur
offenbarten alle Genialität
der expressiven Musikdichtung,
deren Prologe sich aus permanenten
Klangballungen zusammensetzen.
Keine Schwierigkeit für die an derartige Aufgaben gewohnten
Sängerinnen und Sänger
vom Musik-Verein Oelde, dem
Stadt. Musikverein Paderborn
und der Capella
Loburgensis Ost-bevern in
ihrer durch frische junge Stimmen hörbar
bereicherten Chorgemeinschaft. Ob im
kraftvollen Forte, das sich effektvoll
gegen die dröhnenden Tuttischläge des Orchesters durchzusetzen hatte, ob in subtilen Abstufungen
oder im Höhenrausch der Chorsoprane
- insgesamt gelang die überzeugende
Nachzeichnung der bewegenden Geschichte vom
falschen Zaren Boris, der durch
den Mord am rechtmäßigen Thronfolger in
Schuld verstrickt ist und daran
zerbricht.
Der pompöse
Prolog am Moskauer
Jungfrauenkloster, die musikalisch aufwändige
Krönungsszene und die asiatische Wildheit
aufgeregter Chöre im Revolutionsbild
rundeten sich in Hellmons' dynamischer
Deutung zu einem Opernfresko von
beeindruckenden Dimensionen. Hatte
sich bis dahin schon ein Solistenseptett
von respektablem Rang in meist
kleineren Partien zu Wort gemeldet,
so schlug dessen große Stunde, als in
Giuseppe Verdis Oper „La Traviata"
glanzvolle Belcantokultur gefragt war.
Einleitend brillierten die irisierenden
Streicher der Nordwestdeutschen Philharmonie mit opalenem
Glanz, erklang als chorische
Herausforderung das schwungvolle Trinklied aus Violettas
Ballsaal, ehe Yitian Luan zum
solistischen Ereignis geriet. Obwohl durchaus noch Lernende
an der Detmolder Musikakademie,
bot die junge Chinesin in der Bravour-Arie der todkranken Lebedame
mit perlenden Koloraturenketten bis in die Regionen des
hohen Es die intensiv-glühende Brillanz
ihrer Liedgestaltung auf, die in jeder Phase
neu sich vollziehende Synthese von
Schönheit, Wahrhaftigkeit,
unverbrauchter Kraft und emotionaler
Beherrschung eines wahren Stimmwunders.
Mit entsprechendem Anspruch sekundierte ihr tenorglänzend
Bohyeon Mun als Alfredo.
Für den
leichtgewichtigen Abschluss
sorgten Teile aus Jacques
Offenbachs
komischer Oper „Hoffmanns
Erzählungen". Hier stellten sich Tenor und Bass der
Chorgemeinschaft ohne die sonstige
Stütze der Frauenstimmen
selbstbewusst ihrer Aufgabe, besangen
in Pott's Bierkeller den vom
Komponisten zitierten Berliner
Weinkeller „Lutter & Wegener" und dialogisierten im Lied
von „Klein Zack" ohne Fehl und Tadel in
rhythmischer Sauberkeit mit Bohyeon
Mun als phantasierenden Poeten Hoffmann. Das Aha-Erlebnis des instrumentalen
Offenbach-„Schlagers" der Barcarole,
die mit sanftem Cellostrich
das erotische Flair der Szene
untermalt, führte schließlich
zu Dappertuttos Spiegelarie. Sie
wurde von Markus Krause - eingangs bereits imponierend in der
Arie des Zaren Boris - mit warm sich verströmendem Bariton gestaltet.
Mit
unbeirrbarem Klangsinn war
Matthias Hellmons auf dem Dirigentenpodium
den vielfarbigen Programmstrukturen gerecht geworden. Er gab durchgehend
volltönendes Maß, verschloss sich
nicht den explosiven Gewalten
der Partitur und ihren Klangmassen,
arbeitete die zündenden
Rhythmen der leidenschaftlichen Musik ebenso wie ihre lyrischen
Momente
überzeugend heraus und fand
in der glänzend disponierten
Nordwestdeutschen Philharmonie eine
gehorsame Gefolgschaft. Der
stehend dargebrachte Beifall in der
Franz-Arnold-Halle geriet zu Ovationen und wurde
überraschend belohnt: Als Zugabe entließ das
temperamentvolle
Trinklied aus der Johann-Strauß-Operette
„Die Fledermaus" die rundum begeisterten
Zuhörer in den Abend: „Champagner
hat's verschuldet, tralala!" (ug)
(Die
Glocke vom 04.06.2007)
Herbstkonzert am 24.11.2006 in Oelde-Lette:

Bild: Chr.Strotmann
Demutsvolle Gebärde und opernhafter Glanz
Von DR. ULRICH GEHRE
Lette (gl). Wer den Mut hat, sakrale Chorwerke von Mozart und
Donizetti innerhalb ein und desselben Programms zu präsentieren, der fordert zu
vergleichenden Betrachtungen geradezu heraus. Dabei konnte gegenüber der
Innigkeit mozartischen Musizierens der teils oberflächliche Opernpomp Donizettis
nur zweiter Sieger sein.
So erlebten denn die vielen hundert Zuhörer in der
ausverkauften Pfarrkirche St. Vitus Lette am Freitagabend eine Aufführung mit
Werken beider Komponisten, in der mächtige Chorsätze mit verhaltenen lyrischen
Passagen, kleine Besetzungen mit großem Aufgebot unentwegt wechselten. Matthias
Hellmons behielt als inspirierender Dirigent in jeder Phase souverän den
Überblick, gab im richtigen Moment entscheidende Impulse und strahlte jene
Gelassenheit aus, die sich der vielköpfigen Chorgemeinschaft aus Musik-Verein
Oelde, Stadt. Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis Ostbevern
zwingend mitteilte.
Mit den einleitenden „ Vesperae solennes de confessore", die
der 24-jährige Mozart 1780 als Salzburger Hofkomponist geschaffen hatte, zeigte
sich Matthias Hellmons von einer bei ihm ungewohnten Seite: Ungemein behutsam,
mit weich modulierenden Gesten ging er mit stilvoller Zurückhaltung das
freundliche Opus an, das fünf in sich selbstständige Psalmen mit
unterschiedlichem Klangcharakter unter dem „Gloria Patris" zur Einheit
zusammenbindet. Das ergab mit dem für diesen Fall stimmlich reduzierten Chor ein
festfrohes Musizieren, das Maßstäbe setzte. Zum Unisono des Orchesters legte
Hellmons mit Chor- und Sologesang die unterschiedlichen Inhalte und Stimmungen
der Psalmen farbenreich und dynamisch frei und erreichte eine Sternstunde
chorischen Musizierens im ergreifenden Satz „Laudate Dominum". Wann je hätte man
hierzulande das populäre Stück in so liebevoller Gestaltung gehört? Bravo! Mit
Jutta Potthoff war in Vertretung der ursprünglich vorgesehenen Solistin eine
Künstlerin aufgeboten worden, die ihren Part mit dem warmen Timbre des voll
erblühten Soprans von innen heraus gestaltete und die neapolitanischen
Koloraturen in schlichter Selbstverständlichkeit einzubinden wusste.
Qualifiziertes Solistenquartett mit Koreanern
Das „Requiem", das Gaetano Donizetti 1875 zum Tod seines
Freundes Vincenzo Bellini geschaffen und in der feierlichen Einleitung auf die
Grundtonart d-Moll festgelegt hat, stellte -zumal in der freien Fuge mit
chromatischen Bindungen - erhebliche Anforderungen an Chor, Solisten und
Orchester. Mit dem „Te decet Hymnus" setzte das hoch qualifizierte
Solistenquartett ein, das sich im Folgenden in mehrfach wechselnder
Zusammensetzung bewährte.
Ein Hauptanteil des fragmentarisch gebliebenen Werkes war dem
Solobassisten aufgetragen, als der sich der junge Koreaner Jae Won Yang mit
stimmlichem Volumen und sonorer Tiefe einbrachte. Zusammen mit dem warm getönten
Bariton von Cho Bae Keun und der schlanken tenoralen Gebärde von Bohyeen Mun
bildete er im „Tuba mirum" ein Terzett von bezwingendem Wohllaut, dem Susanne
Elle Grobholz im warm sich verströmendem Alt nichts nachstand.
Kühne harmonische Verdichtungen in extremer Lage stellten
chortechnisch große Ansprüche, die die Sängerinnen und Sänger in aller
Klangsinnlichkeit schließlich auch mit dem Aufschrei des turbulenten, von
Paukenschlag und Trompetenschall begleiteten „Dies irae" effektvoll umsetzten.
Gleichwohl stellt sich die Frage, ob der in vielen Proben geforderte
Sondereinsatz ein Werk dieser Art lohnt - es sei denn, es gelte der Erprobung
nachwachsender Sangeskräfte.
Auf der orchestralen Seite glänzte die hoch motivierte
Nordwestdeutsche Philharmonie und sorgte für die präzise Grundierung des
bewegenden musikalischen Bildes. Trotz der bisweilen erdrückenden Klangmassen,
die auf sie eindrangen, zeigten sich die Zuhörer spürbar beeindruckt von diesem
Sonderfall eines von der Rudolf-Haver-Stiftung unterstützten Konzertes und
dankten den Ausführenden mit stehend dargebrachten Ovationen.
(ug)
(Die Glocke vom 27.11.2006)
Frühjahrskonzert am 28.04.2006 in Oelde-Lette:
Im Zeichen der heiligen Cäcilia
VON DR. ULRICH GEHRE
Oelde (gl). Die heilige Cäcilia,
christliche Märtyrerin und Schutzpatronin der Musik, stand als verbindendes
Symbol über den zwei ebenso unterschiedlichen wie auf ihre Weise auch effekt-
und anspruchsvollen Werken, die das Chorkonzert am Freitagabend in der Letter
St. Vitus-Kirche zu einem Musikerlebnis des Ausnahmefalles steigerten
Matthias Hellmons wusste, was er den Sängerinnen und Sängern
des Musik-Vereins Oelde, des Städtischen Musikvereins Paderborn und der Capella
Loburgensis Ostbevern zumuten konnte. Mit Georg Friedrich Handels „Ode für St.
Cecilia's Day" und der Cäcilienmesse von Charles Gounod bewies er Mut zum
Risiko, die hierzulande im gängigen Chorrepertoire kaum vertretenen Werke zwei
Stunden lang den gespannt lauschenden Zuhörern als örtliche Erstaufführungen zu
präsentieren.
Auf einen altenglischen Text von John Dryden hatte Händel
1739 seine Cäcilienode komponiert - ein ungewöhnliches Opus, das mit
dissonantischen Akkorden das Chaos vor der Erschöpfung der Welt malt. Nach dem
Durchbruch der Harmonien aber entwickelt sich im Wechsel von fünf reizvollen,
von schwierigen Chorpassagen umrahmten Arien ein Werk voller Hoffnung und
liebevoller Versenkung, das auf seine Art auch die Segnungen der Musik mit
solistisch vorgestellten Instrumenten besingt.
Hier schlug nach anfänglichen kleinen Intonationsproblemen
die große Stunde der Leonore von Falkenhausen. Mit dem Schmelz und der
Leuchtkraft ihres strahlenden Soprans, der mit der Bachtrompete in der extremen
Höhenlage der Partie geradezu stimmakrobatisch jubiliert, gelang ihr ein
nachwirkendes pastorales Tongemälde. Matthias Hellmons und das sorgsam
grundierende verkleinerte Orchester sowie der für diesen Fall auf „nur" hundert
Mitwirkende reduzierte Chor schufen zusammen mit den lyrischen Anmutungen von
Clemens Löschmann (Tenor) ein Tableau von kammermusikalischer Feinheit:
himmlischer Trost für das Gemüt irrender Menschen.
Ganz anders freilich gingen Hellmons und der nun in Chor und
Orchester verstärkte musikalische Apparat bei Gounod zur Sache. Hier zeigte sich
erneut, wo diese Chorgemeinschaft und ihr Dirigent sich hörbar am wohlsten
fühlen: Wenn sie aus dem Vollen schöpfen und die wuchernde Chorpracht des
französischen Romantikers ausleben können. Dabei offenbart Gounod seine
ungewöhnliche melodische Begabung, die er später folgerichtig voll dem Theater
zukommen ließ.
Weithin theatralisch-pompös sind denn auch die meisten seiner
in Klangfülle schwelgenden Chorsätze, die zuweilen im dreifachen Forte
erklangen. Matthias Hellmons verlor indessen nie den großen Spannungsbogen aus
dem Auge, schritt die Grenzen des Machbaren aus. Bei den Sängerinnen und Sängern
war allenthalben der Enthusiasmus spürbar, mit dem sie die Visionen des
Dirigenten in kraftvoller Energie, klanglicher Transparenz und
Artikulationsschärfe umsetzten. In der Erinnerung bleiben dabei unter anderem
das fehlerfreie Unisono des Credos, die technisch sauberen Einsätze des
Benedictus, halsbrecherische melismatische Wendungen im Kontext zu den
Vokalsolisten.
Die aber wirkten ihrerseits pointiert gestaltend in Gounods
frommem Tableau mit. Auch hier nahm Leonore von Falkenhausen die Herausforderung
an und verstand es, in nahtlosen Registerwechseln aufzutrumpfen. Mit lyrischer
Gestaltungskraft und weiter Phrasierung war Clemens Löschmann mit tenoraler
Belcantokultur zur Stelle, während die Partitur Markus Krauses profundem Bass
wenig Entfaltungsmöglichkeiten ließ.
Ein Sonderlob gilt der Nordwestdeutschen Philharmonie, die im
verstärkten Instrumenteneinsatz (Hörner, Orgel, Harfe) farbig und engagiert den
orchestralen Teil bestreute. Sie folgte diszipliniert den Vorgaben des
Dirigenten, überlagerte nie den Chorklang und beeindruckte in solistischen
Einsätzen. Die Zuhörer feierten zu Recht mit stehend dargebrachten Ovationen das
von der Rudolf-Haver-Stiftung geförderte chormusikalische Ereignis.
(Die Glocke vom 01.05.2006)
Frühjahrskonzert am 26.04.2006 in Ostbevern:
"Cäcilienmesse" begeistert Publikum
Ostbevern (alp). Die aktuelle
Konzertreihe des Kulturforums fand am Mittwochabend in der Pfarrkirche St.
Ambrosius ihren Abschluss. Mit der „Cäcilienmesse" von Charles Gounod stand ein
besonderes Werk auf dem Programm.
Mitwirkende waren neben der „Capella Loburgensis" aus
Ostbevern die Chöre der Musikvereine aus Oelde und Paderborn wie
auch die Nordwestdeutsche Philharmonie.
Als Solisten zählten Leonore von Falkenhausen (Sopran),
Clemens Löschmann (Tenor) und Markus Krause (Bass) zur großen Gruppe der
Mitwirkenden. Die Gesamtleitung lag in den bewährten Händen von Matthias
Hellmons.
Zu Beginn stand zunächst Georg Friedrich Handels „Ode for
St. Cecilia's Day" auf dem Programm. Dann folgte die
Aufführung der großartigen „Cäcilienmesse" von Charles Gounod. Die aufmerksam
lauschende Zuhörerschar sparte nicht mit Applaus und spendete damit den schönsten
Lohn für alle Mitwirkenden.
Unser Bild zeigt die vielköpfige Schar der Mitwirkenden im Chorraum der
Pfarrkirche St.Ambrosius.
( Die Glocke vom
29.04.2006 - Bild: Pohlmann)
Großes Gespür für
den Zusammenklang
VON AXEL ENGELS
Frühjahrskonzert
des Kulturforums: Sakrale Musik auf höchstem Niveau
Zwei besonders
anspruchsvolle Werke sakraler Musik waren beim Frühjahrskonzert des Kulturforums
unter der Leitung von Matthias Hellmons zu hören. Von Georg Friedrich Händel
erklang am Mittwochabend in der St. Ambrosius-Kirche die „Ode for St. Cecilia's
Day“ und dazu passend die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod.
Seit 17 Jahren
arbeitet Hellmons als Gastdirigent mit der Nordwestdeutschen Philharmonie
zusammen, seit sieben Jahren bereichert dieses exzellente Orchester mit
besonders hochwertigen Beiträgen das kulturelle Leben in Ostbevern. Und als
weitere Mitwirkende konnten die ebenfalls von Hellmons geleitete Capella
Loburgensis, der Musik-Verein Oelde und der Städtische Musikverein Paderborn
gewonnen werden, so dass der rein instrumentelle sowie der chorische Part in
besten Händen lagen.
Mit großen
Gespür für den Zusammenklang einzelner Stimmen waren zu diesem Anlass drei
Sänger verpflichtet worden, deren Qualitäten weit über das normale Niveau
herausreichen Es gab ein Wiedersehen mit der in Ostbevern bekannten Sopranistin
Leonore von Falkenhausen, die Tenor-Partien sang der international tätige
Clemens Löschmann – und bei der Cäcilienmesse trat dann der Bassist Markus
Krause mit seiner beeindruckenden Stimme hinzu. Mit der Wahl dieser Solisten und
ihrer jeweils charaktergefärbten Stimmen hat Hellmons genau den Werken
entsprechend seinen Gestaltungswillen umsetzen können. Mit sicherem Dirigat
führte er Chor, Orchester und Solisten. So entstand eine Interpretation, die man
noch lange im Gedächtnis behalten wird. Der inspirierende Klang der Musik
fesselte vom ersten Ton an.
In der
Orchesterouvertüre konnte die Nordwestdeutsche Philharmonie ihre ganzen
Qualitäten ausspielen, ihr hohes künstlerisches Niveau mit Lebendigkeit und
Spielfreude präsentieren. Der Chor bestach durch eine sehr detailgenaue
Umsetzung in den einzelnen Stimmgruppen und deren klangliche Trennung. Direkt
reagierten die Mitglieder des Chores auf kleinste Differenzierungen im Dirigat
von Matthias Hellmons, der diese barocke Musik mit all ihren verborgenen
Schönheiten transparent und leicht erklingen ließ. Leonore von Falkenhausen und
Clemens Löschmann sangen mit spürbarer Liebe zu dieser Musik, gestalteten ihre
reizvollen Arien mit viel Finesse und musikalischer Reife.
Die große
„Cäcilienmesse“ von Charles Gounod benötigte dann eine größere Besetzung. Mit
dem veränderten Klangkörper konnte Hellmons aber genauso gut umgehen. Markus
Krause fügte sich mit seiner wohl tembrierten Stimme exzellent ein, sang die vom
Charakter her der Oper nahen Partien mit Pathos, ohne jedoch den sakralen Gehalt
zu verletzen. Die Aufführung dieser „Cäcilienmesse“ ist für die vielen Zuhörer
quasi ein musikalisches Geschenk gewesen. Denn selten hört man dieses Werk so
wunderbar gestaltet wie an diesem Konzertabend auf höchstem Niveau.
Lang anhaltender
Applaus ernteten Sänger, Musiker und Dirigent für ihre Darbietung. Das
Kulturforum hat erneut Maßstäbe gesetzt.
(Westfälische Nachrichten vom 28.04.2006)
Herbstkonzert am 22.11.2005 in Oelde-Lette:
Musik-Verein wagt chorische Herausforderung
VON DR. ULRICH GEHRE
Lette (gl). Mit selten gehörten
Werken zeigte der Musik-Verein Oelde in Chorgemeinschaft mit dem Städtischen
Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis Ostbevern Mut zu neuen Wegen.
Poulenc und Puccini stellten am Dienstagabend in der Letter St.-Vitus-Kirche
eine Herausforderung dar, die sich deutlich vom bisher gewohnten Chorrepertoire
unterschied.
Das gilt vorrangig für den faszinierenden Gebetshymnus
„Gloria" F-Dur des französischen Zeitgenossen Francis Poulenc von 1959. Nach
kraftvollem Bläserauftakt führte Matthias Hellmons seine Chöre stilsicher durch
die nachfolgenden synkopischen Klippen. Rhythmische Impulse bis zum jazzartigen
Drive, eigenwillige Textdeklamation und die Klangfarben neuzeitlicher Melodik
boten ein hier ungewohntes Hörerlebnis.
Im „Domine Deus" der sechs knappen Sätze schlug schließlich
die Stunde der Solistin. Der weiche, behutsam geführte Sopran von Cornelie
Isenburger erhob sich schwerelos über Chor- und Orchesterstimmen und sorgte im
Schlussteil für fromme Verinnerlichung.
Der Chor war mit spürbarer Begeisterung und emotionaler
Intensität bei der Sache und sorgte in dynamischen Abstufungen für ein
beeindruckendes Klangbild. Die Zuhörer nahmen den Beitrag mit rasch verebbendem
Beifall auf.
Auf den nachfolgenden Puccini hatten Matthias Hellmons und
die in großer Besetzung aufgebotene Nordwestdeutsche Philharmonie eingangs mit
dem „Preludio Sinfonico" eingestimmt: ein Werk des jungen Komponisten aus Lucca,
das in seiner schwelgenden Orchestersprache schon das kommende Genie erahnen
lässt.
Diesen opulenten Klang noch im Ohr, erlebten die Zuhörer in
der „Messa die Gloria" einen Komponisten, der damals im Aufbruch zur großen Oper
war und entsprechende Ambitionen hörbar immer wieder auch in das geistliche
Konzept einfließen ließ.
Wenn Puccinis frühes Opus auch gewiss nicht zu den Ewigkeitswerten der
Chorliteratur zählt, so bedeutet es doch eine enorme Herausforderung für
talentierte Chöre. Ihnen bietet es alle Möglichkeiten klangsinnlicher
Entfaltung, begonnen mit der chorischen Vorstellung des „Kyrie", fortgeführt
über das umfangreiche, in stets wechselnden Stimmungen, Rhythmen Melodien und
Einsätzen variierte „Gloria" bis zur dramaturgischen Spitze des „Credo".
Das innige „Benediktus" ist indessen Aufgabe des
Solobassisten, als der Markus Krause sein profundes Stimmmaterial
liedgestalterisch einbrachte.
Ihm stand an sängerischem Format Andreas Wagner nichts nach,
der mit der Belcantokultur des lyrischen Tenors seinerseits Glanzlichter setzte.
Die ausgeprägte Musikalität des Chores, der wohltemperierte Ausgleich der
Stimmen und die Präzision seiner Gesangstechnik bewirkten eine begeisternde
Identität von Werk und Wiedergabe.
Matthias Hellmons verstand sich aufs Wort mit dem Orchester,
das, sicht- und hörbar beflügelt von der außergewöhnlichen Aufgabe, die
verlässliche Grundierung des chorischen Tableaus besorgte und im „Kyrie" mit
subtilem Geigenklang glänzte.
Zum guten Schluss Blumen für Solisten und Dirigent und
Beifall für alle Mitwirkenden für das von der Rudolf-Haver-Stiftung
unterstützte, nachwirkende Kulturereignis.
(Die Glocke vom 24.11.2005)
zum
Seitenanfang
|