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-Der Konzertchor-
 


Presse

(Bild: Ossenbrink)

Zuhörer sind von Mozarts „Großer Messe" begeistert

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde / Lette (gl). Auch als Fragment ist Wolfgang Amadeus Mozarts „Große Messe" c-Moll KV 427 ein ergreifendes Werk. Trotz aller Gegensätze zwischen den originalen und hinzu komponierten Teilen des 1783 entstandenen Opus erreichte die Aufführung in der Letter St.-Vitus-Kirche eine eindrucksvolle Geschlossenheit und Kompetenz.

Streng orientiert an Mozarts Vorgaben, hatte Matthias Hellmons als erfahrener musikalischer Leiter die Chorgemeinschaft Musik-Verein Oelde, Städtischer Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern auf das rechte Maß reduziert und damit ein in allen Teilen transparentes Klangbild mit vortrefflicher Ausgeglichenheit der Stimmblöcke erreicht. Dementsprechend reicht für das mozartische Klangvolumen auch die auf 30 Pulte beschränkte Nordwestdeutsche Philharmonie aus, die nach den zwingenden Dispositionen des Dirigenten für die verlässliche Grundierung zuständig war. Mit Bravour bestand der Chor die außerordentlichen Herausforderungen. Er hatte sich mit Aufführungen an drei Abenden unmittelbar nacheinander erhebliche physische und psychische Anstrengungen zugemutet und meisterte eine Fülle schwieriger Fugen. Dabei erreichte er den gesanglichen Gipfel im Hosianna des Sanctus-Teils, wenn sich die Stimmen in die komplizierteste Fuge des Werkes stürzen und im jubelnden „In excelsis" gipfeln.

Im Wechsel zwischen den spirituellen und den dramatisch bewegten Messteilen sorgte Matthias Hellmons mit subtil abgestufter Dynamik für ein überlegen gestaltetes Klangbild. Ihm war es schließlich gelungen, die Brüche des Werkes weniger durch allzu großen Respekt, als vielmehr durch die Kraft des energischen Zugriffs zu verdecken. Und so überstrahlte denn letzten Endes die Größe Mozarts die Schwäche seiner Vollender.

Als Glücksfall erwies sich das Solistenquartett. Durch den lyrischenSchmelz und die Strahlkraftihres ausdrucksvollen Soprans beeindruckte Johanna Winkel. Leider brachte sie durch unnötiges Forcieren in der Höhenlage Mozarts inniges „Et incarnatus est" um einen Teil der Wirkung. Über zwei Oktaven war Sophie Harmsen mit den virtuosen Koloraturen des „Laudamus te" präsent. Mit kultivierter Klangrede gestaltete Clemens  Löschmann das anmutige Tenorsolo „Et in spiritum sanctum", während Gregor Loebel bassgewaltig in das Finale einstimmte.

Die Zuhörer waren spürbar begeistert und feierten die Ausführenden mit anhaltendem Beifall.

(Die Glocke vom 08.10.2011)


(Bild: dos)

Ergreifendes Chorfresko vom Leiden Christi

Von  DR. ULRICH GEHRE

Lette (gl). Auf eindrucksvolle Weise hat der Musik-Verein Oelde bewiesen, in welch hohem Maße Musik auch Verkündigung sein kann: Inmitten der Passionszeit gestaltete der Konzertchor in der Pfarrkirche St. Vitus Lette die Johannes-Passion und bestand bravourös seine Bach-Bewährung.

Wochenlang hatte die Chorgemeinschaft aus Musik-Verein Oelde, Städtischem Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern das anspruchsvolle Werk einstudiert, das von der Leidensgeschichtete und dem Tod des Herrn berichtet. Dabei leistete Kantor i. R. Heribert F. Klein chorpädagogisch wertvolle Hilfe. So konnte Matthias Hellmons als musikalischer Gesamtleiter am Dienstag einen um ein Drittel vorteilhaft verschlankten Chor präsentieren, der durch homogenen Ausgleich aller Stimmen bestach und insbesondere im zweiten Teil der Aufführung mit Einfachheit, Anmut und Würde seinen Auftrag erfüllte.

Ihre große Bewährung bestanden die Choristen mit den Turba-Chören in ihren leidenschaftlichen, oft schwierig fugierten Sätzen, die die Stimmen des Volkes übernehmen: „Jesum von Nazareth", „Nicht dieser, sondern Barrabas!", „Kreuzige ,kreuzige!" Da galt es, rhythmische Präzision zu beweisen. Zu einem anrührenden Ruhepunkt in den klanglichen Turbulenzen geriet die von der Viola da Gamba behutsam unterlegte innige Alt-Arie „Es ist vollbracht", ehe das Werk in die glaubensfrohe Zuversicht einmündet: „Ich will dich preisen ewiglich." So schloss sich der Bogen zu einem dynamisch abgestuften Hörbild von nachwirkender Eindringlichkeit.

Mit deklamatorischem Elan und der formenden Energie seines schlanken Tenors gestaltete Fritz Steinmeier seinen Solopart in berichtenden Rezitativen und bewegenden Arien. Markus Krause war mit bisweilen opernhafter Attitüde in der ausdruckvollen Charakterisierungskunst seiner profunden Bassgebärde ebenso verlässlich zur Stelle wie Ina Siedlaczek mit forciertem Sopran und Yvi Jänicke, die durch den weitem Atem und die schöne Kantilene ihres Liedvortrages beeindruckte. Dorothee Jürrens, Johann Ardin Lilienthal und Gregor Loebel rundeten die solistischen Einsätze stimmig ab. Trotz gelegentlicher Unsauberkeiten am Beginn formte das reduzierte Ensemble der Nordwestdeutschen Philharmonie mit den respektablen Soli von Flöte und Gambe authentisch das akustische Gesamtbild. Spürbar beeindruckt von Werk und Wiedergabe dankten die zahlreichen Zuhörer mit anhaltendem Beifall für die vorösterliche Gabe.

(Die Glocke vom 21.04.2011)

 


(Bild: Ossenbrink)

Giuseppe Verdis leidenschaftliche Chormusik

Von DR. ULRICH GEHRE

Lette (gl). Als die dumpfen Schläge der Totenglocke erklangen, verharrten die vielen hundert Zuhörer in der Letter St.-Vitus-Kirche in Augenblicken ergriffenen Schweigens, ehe beispiellose Ovationen losbrachen. Dank für das tief greifende Erlebnis einer imponierenden Aufführung des „Requiems" von Giuseppe Verdi.

Trotz seiner Bindung an die kirchliche Messordnung ist das Chorwerk von undogmatischer Aussagekraft, setzt Leben und Tod in krassen Kontrasten gegeneinander: Eine Totenmesse, die des Himmels wie auch des Menschen gedenkt. Vom verhaltenen Beginn und der erschreckenden Gewalt des „Dies irae" spannt sich ein Bogen über Chöre und Soli bis hin zur kühnen Aufgipfelung des Schlusssatzes mit seiner atemberaubenden Chorfuge und der demutsvoll ausklingenden Bitte um Befreiung durch den Herrn („Libera me").

Matthias Hellmons verstand sich auf dynamische Abstufungen und präsentierte in der  Bündelung aller Kräfte die perfekt vorbereitete Chorgemeinschaft von Musik-Verein Oelde, Stadt.Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern. Ihr gelang in makelloser Sauberkeit und Intonation die achtstimmige „Sanctus"-Fuge als musikalisches Meisterstück, während sie sich anderseits beinahe flüsternd zurückzunehmen wusste. Das verstärkte Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie, im „Tuba mirum" effektvoll verstärkt durch die Bläser eines kleinen Fernorchesters auf der Orgelbühne, folgte Hellmons' Weisungen mit leidenschaftlicher Gebärde und breitete den opulenten Klangteppich aus, über dem die menschlichen Stimmen sich entfalten konnten.

Der Komponist übernahm aus seiner Opernpraxis die Kunst, Solostimmen dialogisch einzusetzen. Dafür stand in diesem Fall ein Quartett profilierter Gesangskünstler zur Verfügung. Allen voran brachte Dshamilija Kaiser den betörenden Schmelz eines warm getönten Mezzo ein und wurde damit liedgestaltend zur künstlerischen Überraschung des Abends. Caroline Thomas behauptete sich mit hohem, spitzen Sopran gegen alle Wucht des Orchesters und vereinigte sich mit dem Mezzo im „Lacrymosa"-Satz zum Duett von purem Wohllaut. Thorsten Scharnkes Tenor ließ streckenweise die erwartete italienische Belcantokultur vermissen, während Marc Coles mit tief schwarzem Bass zuverlässig für die dunkle Grundierung des solistischen Bildes sorgte.

(Die Glocke vom 25.11.2010)


Beim Festkonzert im Stadttheater Lippstadt begeisterte die heimische Chorgemeinschaft des Musik-Vereins Oelde mit einer Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang":

Musik-Verein Oelde: Triumph beim Chorfest

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde / Lippstadt (gl). Im Festkonzert, in dem das 6. Rheinisch-Westfälische Chorfest am Samstagabend im Stadttheater Lippstadt gipfelte, sorgte die Chorgemeinschaft des Musik-Vereins Oelde für einen begeisternden Höhepunkt mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Chor-Orchester-Werk „Lobgesang".

Da der heimische Konzertchor mit seinen bewährten Partnern Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern das Werk bereits vor drei Jahren einstudiert hatte, bedurfte es zur Vorbereitung diesmal nur der Verständigungsprobe mit dem Begleitorchester. Matthias Hellmons war als musikalischer Leiter an diesem Abend so vortrefflich in Form, dass es schien, als beflügele er mit seinem inspirierenden Dirigat das gewohnte Hausorchester. Die Neue Philharmonie Westfalen folgte im vorgeschalteten Orchesterpart seinen Weisungen aufs Wort und ließ sich zu instrumentalen Höchstleistungen führen.

Der breit ausgesponnenen Ouvertüre folgte nach dem verhaltenen „Adagio religioso" der hymnische Chorjubel „Alles was Odem hat", der sich wie ein Leitmotiv durch das Werk zieht. Die diesmal aus rund 100 Mitwirkenden bestehende Chorgemeinschaft gewann im stimmenden homogenen Klangbild das Format eines wahren Elitechores, insbesondere in den hohen Anforderungen des dramatisch bewegten Satzes „Die Nacht ist vergangen". Wahrhaft ans Herz rührte die bewegende Innerlichkeit, mit der der Chor behutsam zurückgenommen den A-cappella-Satz „Nun danket alle Gott" in wunderbarem Legato gestaltete und im abschließenden Aufruf „Alles danket dem Herrn" kraftvoll noch einmal alle Gesangskräfte bündelte.

Das Solistentrio entsprach dem allgemein hohen Niveau der Aufführung. Dorothea Fries erklomm mit strahlendem Sopran mühelos die Spitzen der Partie und vereinigte sich mit dem satten Mezzo von Dagmar Linde zu einem Duett puren Wohllautes. Stephan Zelck setzte in der emotional bewegten Klangrede „Stricke des Todes" solistisch eindrucksvolle Akzente. Mit anhaltendem Beifall nahmen die fachkundigen Zuhörer das Oelder Gastspiel auf.

(Die Glocke vom 20.09.2010)


 

Fein abgestimmter Klang

"Carmina Burana" begeistert rund 800 Besucher in der Beverhalle - Hellmons souverän

Nach der grandiosen Aufführung der "Carmina Burana" von Carl Orff in Paderborn konnte Matthias Hellmons am Freitag ganz ohne Anspannung den Dirigentenstab in der Beverhalle rühren. Denn bei solch großer Publikumsresonanz war eine positive Aufnahme dieses 1937 uraufgeführten Kantaten-Werks natürliche Folge, zumal dieses Werk selten auf so hohem Niveau interpretiert wird. Neben den drei Gesangssolisten Sarah Davidovic, Clemens Löschmann und Markus Kraus lag dies sicherlich an der Art, wie Matthias Hellmons den Orchesterklang der Nordwestdeutschen Philharmonie mit den vielstimmigen Chorensemble aus der Capella Loburgensis und den Partnerchören zusammenführte.

Der Kinderchor vereinte stimmlich die Städte Ostbevern, Oelde und Paderborn, hier erlebte man chorische Grundlagenarbeit in perfekter Umsetzung.

Matthias Hellmons hatte sich mit der "Carmina Burana" ein wirklich bedeutendes und anspruchsvolles Werk vorgenommen. Die Anforderungen an die beteiligten Chormitglieder sind enorm, die Melodieabläufe mit ihren spannungsgeladenen Intervallsprüngen und rhythmischen Verschiebungen nicht einfach zu bewältigen. Umso bedeutender mag da die Leistung des großen Chorensembles eingeschätzt werden, das stimmgewaltig und mit bester Stimmgruppentrennung die grandiose Musik umzusetzen wusste. Die lateinischen und mittelhochdeutschen Texte waren gut verständlich. Klar und detailgenau sang der Chor mit einem sehr differenzierten Klang.

Über die Qualitäten der Nordwestdeutschen Philharmonie ist schon viel Lobenswertes geschrieben worden. Dass dieser internationale Ruf gerechtfertigt ist, zeigte das große Orchester an diesem Abend. Denn selten hat man einen so feinsinnig aufeinander abgestimmten Klang gehört, der auch bei den lautesten Stellen nicht erschlagend wirkte. Da brach niemals der melodische Fluss ab, spielte das Orchester mit unheimlicher Akribie und Differenzierung. Bei den rein instrumentalen Teilen wurde wunderbar musiziert, konnte das Orchester durch tänzerische und lebendige Spielweise überzeugen. Selbst bei den grandiosen Akkordfolgen zeigten sie eine bei der schwierigen Akustik der Beverhalle einzigartige Sensibilität für dynamische Schattierungen.

Die drei Gesangssolisten waren bei dieser hochwertigen Interpretation eine Bereicherung. Der Bassist Markus Krause konnte mit seiner großen, tragfähigen Stimme den dramatischen Partien ein charakteristisches Gewand geben. Er war aber auch schauspielerisch überzeugend — wie als leicht alkoholisierter Trinker in einer Szene. Ob solistisch oder im Duett: Markus Krauss schaffte es, die dramatischen Momente ohne übertriebenes Pathos zu gestalten und so eine in sich stimmige Darstellung zu geben.

Clemens Löschmann hatte mit seiner sympathischen Persönlichkeit und seiner exquisiten Gesangskunst sofort einen direkten Kontakt zum Publikum. Mit ironischem Impetus gestaltete er seine Arien. Da verband sich gesangliches und darstellerisches Talent. Bei der Sopranistin Sarah Davidovic erklangen selbst die schwierigsten Koloraturpassagen wie leichte Singübungen. Ihr großes Talent zeigte die grazile Künstlerin in einer sensiblen und introvertierten Gestaltung. Mit warmem Timbre sang sie sich in die Herzen des Publikums, schenkte auch bei den Duetten wunderbare Momente. Mit solch einer mitreißenden Interpretation dieses allbekannten Werkes ist das Kulturleben Ostbeverns um eine ganz inspirierende Facette bereichert worden. Da waren die stehend dargebrachten Ovationen gleichzeitig ein Dank für so hohe Kunst.

Axel Engels

(Westfälische Nachrichten vom 31.05.2010)

 

Betrunkener Bassist und gegrillter Tenor

Rundum gelungene Carmina Burana

Carl Orffs Carmina Burana - es gibt wenige Großwerke in der abendländischen Musikgeschichte, deren Namen einem Mythos gleichkommen. Seit nunmehr über 70 Jahren lockt dieses Werk die Zuhörer in die Konzertsäle, diese scheinen willig und in Scharen zu kommen, lassen sie sich doch offenbar gern durch Musik und Text dieser archaisch anmutenden Klänge in die Welt des Mittelalters entführen.

Dass das Paderborner Publikum hier keine Ausnahme bildet, bewies die Aufführung dieses Orff sehen Hauptwerkes im Rahmen des Sinfoniekonzertzyklus, in dem sich die Nordwestdeutsche Philharmonie und der Chor des Städtischen Musikvereins in Kooperation des Musikvereins Oelde und der Capella Loburgensis dieser populären Musik annahmen.

Weltliche Poesie des Mittelalters - so lassen sich die literarischen Quellen beschreiben, auf die Carl Orff im Jahre 1937 zurückgriff. Dass diese weltliche Poesie ausgerechnet in der Klosterbibliothek der altehrwürdigen Benediktinerabtei Ottobeuren aufgefunden wurde, verwundert auf den ersten Blick, legt andererseits jedoch Zeugnis davon ab, dass die Welt mit ihren Versuchungen und Freuden auch schon vor Jahrhunderten nicht vor Klostermauern halt machte.

Klanggewaltig, wie es sich gehört, geriet der mächtige Eingangschor, beschreibend das ewig bleibende Schicksal des Menschen, bestimmt durch Göttin Fortuna. Gut, dass solche Konzerte unter der bewährten Stabführung von Matthias Hellmons immer in Chorunion mehrerer Ensembles ausgeführt werden, der imposante Orchesterklang würde die Vokalsektion spielend zudecken.

Orffs Musik, das ist hinlänglich bekannt, lebt vom Rhythmus. So erwiesen sich sowohl Orchester als auch Chor als außerordentlich rhythmisch sicher, die teils zügigen Übergänge gerieten nahtlos und fließend, ohne Wackler, die sich in dieser Musik schnell einstellen können.

Trotz modernen Personalstils bleibt Orffs Musik für den Zuhörer immer mitreißend und packend, ja sogar kurzweilig im positiven Sinne. Die Idee, einige der Stücke plastisch-theatralisch darzustellen, konnte nur begrüßt werden. So schlich sich Clemens Löschmann (Tenor), ganz in weiß gekleidet, als sterbender Schwan in der Pfanne auf seine Position, um hier in herrlich ironischer Weise dem Leid des gegrillten Geflügels zu huldigen. Der dem Publikum seit langem bekannte Bassist Markus Krause nahm gar die Rolle des betrunkenen Abtes so wörtlich, dass er, mit zwei Bierflaschen bewaffnet, den Weg zum Dirigentenpult suchte, um dem Kapellmeister an seinen weltlichen Freuden teilhaben zu lassen. Kleine Augenzwinkereien, die sich aber überzeugend in die Aufführung einfügten.

Dass das Werk gar dem vor vier Jahren gegründeten Nachwuchschor des Städtischen Musikverein Betätigungsfeld bietet, bewies Hellmons als künstlerischer Leiter, indem er die jungen Stimmen des Kinder- und Jugendchores mit kleinen Partien im dritten, der Liebe gewidmeten, Teil in das große Ganze einband. Hier hatte nun auch die dritte Solistin, Sarah Davidovic (Sopran), ihren Einsatz. Mittels ruhiger Führung bildeten ihre Parts wohltuende Gegensätze zu den sonst eher turbulent und burlesk anmutenden Szenen.

Thomas Schulze-Athens

(Neue Westfälische vom 28. 05. 2010)

 

"O Fortuna" aus 100 Kehlen

Effektvolle Aufführung des Orff-Werkes

Carl Orffs Carmina Burana, wohl eines der populärsten Chorwerke des 20. Jahrhunderts überhaupt, stand im Mittelpunkt des letzten Konzertes in der Reihe der Städtischen Musikkonzerte dieser Saison.

Es gibt Komponisten, die verdanken ihren Ruhm und ihre ungebrochene Popularität einem einzigen Werk. Zu ihnen gehört auch der 1982 in München verstorbene Komponist Carl Orff, dessen deftige lateinisch-mittelhochdeutsche Huldigung an das Mittelalter, an Wein, Weib und Gesang als ein Sensationserfolg gilt.

Mit mehr als 100 Sängerinnen und Sängern huldigte die Aufführung in der Paderhalle durch die Chöre des Musikvereins Oelde, der Capella Loburgensis Ostbevern sowie des Konzertchores und der Kinder- und Jugendchöre des Städtischen Musikvereins Paderborn und des Kinderchores der Capella Loburgensis Ostbevern am Mittwochabend zugleich dem Schöpfer des modernen Urtheaters.

Die von Carl Orff getroffene Gedichtauswahl der um 1230 entstandenen I. Handschrift der »Lieder aus Benediktbeuern« gewinnt aus einer raffinierten Synthese von eingängig-volkstümlicher Melodik, hämmernder Motorik und perkussiv-farbigem Orchesterklang ihre Schlagkraft, die in Paderborn in der vollen Länge des Originals von 65 Minuten zum Singen und Klingen gebracht wurde.

Sofern man bei Orff über chorische Schlagkraft und rhythmisch sprachliche Perfektion hinaus überhaupt von »Interpretation« sprechen kann, näherten sich die Sängerinnen und Sänger dem Werk mit seinem dröhnend-eingängigen Eingangschor »O Fortuna«, der bis heute nicht nur als Inbegriff einer Schokoladenwerbung gilt, mit musikalischer Frische und Klangpracht. Im Mittelpunkt der weiterführenden chorischen Gestaltung stand durchgängig die temperamentvolle Darstellungen der unterschiedlichen Stimmungen: Mit oft drastischem Humor und einer Menge Einfühlungsvermögen in die teils lockeren, teils nachdenklich-moralisierenden lateinischen Lieder wechselten sich Derbheit (Trinklieder der zweiten Szene) und Zartheit (Liebeslieder der Frühlingsfeier), mächtige Klangsubstanz und durchsichtiges Gewebe in den einzelnen Stimmen mit bemerkenswerter sprachlicher Plastizität ab.

Besonders herausgestellt werden die Kinderchöre aus Paderborn und Ostbevern sowie der Jugendchor, die mit sauberer Intonation und großer Aufmerksamkeit das »Totus Floreo« klangschön interpretierten. Die Solisten - Sarah Davidovic (Sopran), Clemens Löschmann (Tenor) und Markus Krause (Bass) - waren den erheblichen stimmtechnischen Ansprüchen und den extremen Lagen, in denen sie ständig singen mussten, souverän gewachsen. So zeichnete Clemens Löschmann im »Olim lacus colueram« stimmlich geradezu bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten gefordert, auch gestisch vorzüglich die »psychischen Nöte« des gebratenen Schwans mit großer Hingabe nach, Markus Krause trug das »Estuans interius« mit prächtig stimmlichen Glanz vor und Sarah Davidovic begeisterte durch ihre sehr empfindsame, technisch makellose Gestaltung des »Dulcissime«.

Immer wieder mobilisierte Matthias Hellmons (Choreinstudierung und musikalische Leitung) die kompositorischen Elementarkräfte an ostinater Rhythmik und tänzerischer Ekstatik, die die durch Pauken, Schlagzeug und Flügel spieltechnisch hervorragend verstärkte Nordwestdeutsche Philharmonie mit Spielfreude (besonders klangschön in der Soloflöte), stählernem Martellato und temperamentvoll vorwärtstreibender Rhythmik theatralisch-effektvoll, insbesondere in den Blechbläsern, ausbreitete. Insgesamt eine Konzeption, die einerseits durch verhaltene Tempi zu plastischer und präsenter Gliederung führte, andererseits durch impulsiv-schwungvolle Farbigkeit unmittelbar mitriss, »Bravo«-Rufe und begeisterter Beifall erzwangen zwei Zugaben.

Günther Wiedemann

 (Westfälisches Volksblatt vom 28.05.2010)

 

Berauscht vom Klang und Rhythmus

Von  DR. ULRICH GEHRE

Oelde (gl). Als mit „O Fortuna", dem hymnischen Lob auf die wankelmütige Glücksgöttin, das Finale erreicht war, da hielt es die vielen hundert Zuhörer in der dicht besetzten Logistikhalle von Haver & Boecker in Oelde nicht mehr auf den Plätzen. Begeistert feierten sie mit stehend dargebrachten Ovationen ein Musikereignis von außergewöhnlichem Rang.

Sicherlich gehören die „Carmina Burana", Orffs „profane Gesänge" nach einer alten Benediktbeuerner Handschrift, mit ihrem stupiden Einhämmern immer wiederholter Phrasen nicht eben zur Elite der Chorliteratur. Gleichwohl bietet das Opus reizvolle Aufgaben für eine Chorgemeinschaft, die sich den rhythmischen und klanglichen Herausforderungen stellen will. Matthias Hellmons hatte mit dem Musik-Verein Oelde und den mit ihm kooperierenden Städtischen Musikverein Paderborn, der Capella Loburgensis Ostbevern und den Unterstufenchören der Gymnasien ganze Arbeit geleistet. Carl Orffs Komposition von 1937 mischt Volksliedhaftes, Tänzerisches und Kultisches in glücklicher Verbindung zu einem lebensfrohen Hymnus auf Glück und Liebe, Trinkgelage und Frühling.

Der Chor - die Damen angetan mit bunten Schals - bot optisch ein farbenfrohes Bild. Er steigerte sich im homogenen Einsatz, in dem auch die Männerstimmen kraftvoll ihren Part behaupteten, von der Einleitung bis zum ergötzlichen „Oh-oh-totus florio!" in einem einzigen Crescendo, ehe das einleitende „O Fortuna" abschließend wiederholt wurde. Mit seinen hellen Stimmen mischte der Kinderchor in seinen beiden Einsätzen das Klangbild vorteilhaft auf. Der Nordwestdeutschen Philharmonie gelang die klangliche Differenzierung des musikalischen Gesamtbildes.

In den opulenten Chorklang brachte sich ein Solistenterzett mit ungewöhnlichen Aufgaben ein. Markus Krause schwang sich in seinem humorig gewürzten Vortrag aus angestammter Basstiefe in seinen Soli hinauf in tenorale Höhen und erwies sich inmitten aller Klangballungen als sicherer Fels in der Brandung. Für Heiterkeit sorgte Clemens Löschmann, der im hohen Falsettgesang das Schicksal des gebratenen Schwans beklagte. Die junge Sopranistin Sarah Davidovic brachte einen Hauch weiblichen Zaubers in die raubeinige Welt trinkfroher Männer, als sie „In trutina" gestaltete oder sich in den artistischen Höhenregionen der „Dulcissime"-Arie über den dunklen Streichern behauptete.

(Die Glocke vom 31.05.2010)


(Bild: Ossenbrink)

Bewegendes Mozart-Mosaik begeistert Zuhörer

Von  DR. ULRICH GEHRE

Lette / Oelde (gl). Es war ein mutiger, aber, wie das Ergebnis beweist, gelungener Versuch, das „Requiem" von Wolfgang Amadeus Mozart bei der original nur 55-minütigen Aufführungsdauer in einen größeren geistig-geistlichen Zusammenhang zu stellen. Mit diesen Erweiterungen in Text und Musik geriet das Chorwerk in der Letter Pfarrkirche St. Vitus zu einem Mozart-Mosaik von trostvoller Verheißung.

Als der Tod dem sterbenskranken Mozart 1791 beim „Lacrimosa"- Satz die Feder aus der Hand genommen hatte, lagen gerade mal die ersten 40 Seiten des Opus KV 626 abgeschlossen vor. Seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr oblag die Vollendung des Werkes, die ganz im Sinne des Meisters ohne stilistische Brüche gelang. Darum erscheint uns das Fragment heutzutage wie aus einem Guss und erklang in eindrucksvoller Geschlossenheit auch in der erneuten Aufführung.

Das Werk beginnt im düsteren d-Moll des „Requiem aeternam", lässt mit dem „Kyrie eleison" eine erste komplizierte Doppelfuge folgen. Werk und Aufführung stellen Chor und Solisten im furchterregenden Fortissimo des „Dies irae" ebenso vor beträchtliche Herausforderungen wie der majestätische, von der Soloposaune eingeleitete Satz des „Tuba mirum", ehe die überwältigende Großartigkeit der hoheitsvollen dreimaligen „Rex"-Rufe und weitere fehlerlos gemeisterte Chorfugen in das breite lyrische Aussingen des Schlussteils einmünden.

Durch bewusste Reduzierung der sonst beherrschenden Frauenstimmen entwarf Matthias Hellmons als musikalischer Leiter im ausgeglichenen Chorklang ein erbauliches Hörbild, das das große Stimmmaterial der Chorgemeinschaft Musik-Verein Oelde, Städtischer Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern klangschön aufleuchten ließ. Stimmtechnisch absolut auf der Höhe und ausgeglichen in der Balance, gelang in differenzierten Abstufungen eine überzeugende Umsetzung der anspruchsvollen Vorlage. Nach einleitenden Glockenschlägen war zuvor die herbe Gregorianik frühchristlicher Liturgie erklungen, auf die alle folgende musikalische Entwicklung sich beruft. Mit den opulent besetzten Streichern der auf Mozart-Format beschränkten Nordwestdeutschen Philharmonie und dem bekannten Konzertmeister Lajos Farkas am ersten Pult musizierte Matthias Hellmons als erste Einlage das dunkel umschattete Adagio aus Mozarts d-Moll-Streichquartett KV 421, während er Requiem-Part durch das ergreifende „Laudate dominum" unterbrochen wurde. An das „Lux aeterna"-Finale des Fragments schloss sich Mozarts kleine Motette „Ave verum corpus" an: Mit keiner innigeren Melodie hätte die Aufführung ausklingen können.

Fünf hoch qualifizierte Solisten überzeugen

In lyrisch schlanker Tongebung beeindruckte Sarah Dierkes mit ihrem hoch ausgelegten, glockenhellen Sopran. Mit tragfähigem Alt vermochte Yvi Jänicke in nahtlosen Registerwechseln seelenvoll abzutauchen. Clemens Löschmann im Belcantoschmelz des verkündigungsfrohen Tenors und die von Markus Krause verlässlich bediente bassdunkle Grundierung vereinigten sich zu einem hoch qualifizierten Solistenquartett.

Zu ihm gesellte sich als Fünfter im Bunde der Bielefelder Schauspieler Stefan Gohlke, der in würdevollem Ernst klug ausgewählte Mozart-Briefe und biblische Texte mit sprechtechnischer Perfektion zu Gehör brachte.

Nach Minuten andachtsvoller Stille brach ein Beifallssturm ohnegleichen los. Mit stehend dargebrachtem Applaus dankten die vielen hundert begeisterten Zuhörer in der voll besetzten St.-Vitus-Kirche für einen der beglückendsten Auftritte dieser Chorgemeinschaft. Er war von der Rudolf-Haver-Stiftung maßgebend unterstützt worden.

(Die Glocke vom 26.11.2009)

 


Zelter-Plakette für den Musik-Verein

Oelde (ug). Als „Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik" hat Bundespräsident Horst Köhler dem Musik-Verein Oelde die Zelter-Plakette verliehen. Die Würdigung versteht sich als Anerkennung für Chorvereinigungen, die seit mindestens 100 Jahren bestehen.

Für den heimischen Konzertchor, der 2007 an seine Gründung vor 100 Jahren erinnerte, nahm der Vorsitzende Friedhelm Heese in Begleitung seines Stellvertreters Bernhard Thier Bronzeplakette und Urkunde mit der Unterschrift von Horst Köhler kürzlich auf einem Festakt in der Stadthalle Neuss aus der Hand von NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff entgegen. Bei gleicher Gelegenheit erhielten weitere 24 Chorgemeinschaften und Gesangvereine des Landes die Bronzeplakette mit dem Relief Carl Friedrich Zelters (1758- 1832). Er hatte seinerzeit die Berliner Singakademie gegründet und das volkstümliche Musizieren im alten Preußen entscheidend beeinflusst. In seiner Festansprache wies Grosse-Brockhoff darauf hin, dass die Landesregierung Nordrhein-Westfalen durch gezielte Programme wie „Kultur und Schule" und „Jedem Kind ein Instrument" alle Kinder und Jugendlichen an der musikalischen Bildung teilhaben lassen wolle.

Friedhelm Hesse freute sich für den Musik-Verein, der im Verband Deutscher Konzertchöre organisiert ist, über die hohe Auszeichnung. Sie war im Vorfeld durch die Stadt Oelde begründet worden. „Oelde schätzt sich glücklich, einen derart leistungsfähigen und erfolgreichen Chor innerhalb seines Ortes zu haben", heißt es in der Beurteilung von Bürgermeister Helmut Predeick. Er würdigt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Chorkonzerte ohne Beanspruchung städtischer Fördermittel durchgeführt werden. „Ich danke allen Mitwirkenden im Musik-Verein für ihre wichtige Arbeit und bin stolz auf das große künstlerische Werk", schließt das Bewertungsschreiben...

(Auszug aus: Die Glocke vom 09.06.2009)

(Bild: Gehre)

Für den Musik-Verein Oelde nahm der Vorsitzende Friedhelm Heese die Zelter- Plakette als Auszeichnung seines Chores entgegen.


(Bild: Die Glocke)

Frühjahrskonzert am 16.05.2009 in Oelde - Logistikhalle HAVER & BOECKER:

Joseph Haydns Gotteslob in ländlicher Idylle

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde (gl). Wer so wie der Musik-Verein Oelde auf die ungebrochene Popularität Haydns vertraut und auf die eindringliche Kraft seiner Musik setzt, dem gelingt auch die wundersame Verwandlung einer nüchternen Werkhalle. Und so wurde aus dem neuen Logistikzentrum auf dem Firmengelände Haver & Boecker ein veritabler Musentempel, als dort am Samstagabend das Oratorium „Die Jahreszeiten" erklang.

Damit wiederholte sich, was der damalige Firmenchef Rudolf Haver vor 53 Jahren - gleichfalls für die „Jahreszeiten" - begonnen hatte, als er erstmals eine Werkhalle zum Konzertraum umrüsten ließ. Das Opus breitet nach jeweils einem instrumentalen Vorspiel in Arien, Ensembles und ausgedehnten Chorszenen einen vielfarbigen musikalischen Bilderbogen aus. Ohne eigentliche Handlung schildert Joseph Haydn in volkstümlicher Einfachheit den Ablauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter aus der Sichtweise biederer Landleute.

Dieses Gesangsfest wurde zu einem Triumph für Matthias Hellmons. Der musikalische Gesamtleiter verstand es, Anmut, Schlichtheit und Würde des Werkes umzusetzen und die volle Palette sängerischer Gestaltungsmöglichkeiten zu entfalten. Selten zuvor zeichnete die vorteilhaft auf 100 Stimmen verschlankte Chorgemeinschaft aus Musik-Verein Oelde, Städtischem Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern so transparente Hörbilder voll innerer Spannung. Ob in der schwierigen Fuge „Holder Lenz", im unentwegten Crescendo beim zweimaligen Amen des Finales, ob in den Jubelchören oder der derb-fröhlichen Szenerie der Zecher im herbstlichen Erntefest: Rhythmisch exakt und stimmlich sensibel bewährte sich der Chor im homogenen Ausgleich der Stimmen, die lediglich in den Tenören noch effektvoller Verstärkung bedürfen. Matthias Hellmons, der die Secco-Rezitative selbst am Cembalo begleitete, wusste geschmackvoll abzustufen, hatte den Mut zum Piano, zur Pause und ungewöhnlichen Phrasierung.

Wesentlichen Anteil am Erfolg hatte ein hoch qualifiziertes Solistenterzett. Dabei outete sich Cornelie Isenbürger als gefühlvolle Liedgestalterin von weit ausschwingender, blühender Kantilene und verband die strahlende Grazie ihres hohen Soprans mit bewegender Innerlichkeit, mit singender Anmut in Spinnerlied und Ballade. Sie vereinigte sich im mozartisch anmutenden Duett Hanna / Lukas auf entzückende Weise mit Gregor Poplutz, der ein übers andere Mal mit der Belcanto-Klarheit des klassischen Oratorientenors beeindruckte. Markus Krause gestaltete koloraturensicher mit Feingefühl jede Note seines umfangreichen Bassparts im Zusammenhang von Inhalt und Form. Nur wer das Technische des Vertrags in allen Feinheiten beherrscht wie er, vermag auch innig ans Herz zu rühren.

Ausgezeichnet aufgelegt folgten die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie mit ihren opulent besetzten Streichern und den makellos intonierenden Bläsergruppen den stilprägenden Wegweisungen des Dirigenten. Sie gestalteten behutsam die lautmalerischen Spielereien des Komponisten, ließen winterliche Nebel wallen, das Fortissimo des Gewitterbildes donnern, die Sonne chromatisch aufsteigen und sorgten für die solide Grundierung des musikalischen Bildes.

Mit stehend dargebrachten Ovationen äußerten die vielen hundert Zuhörer ihre Begeisterung über die Aufführung, die von der Rudolf-Haver-Stiftung unterstützt worden war. Mit der vorausgegangenen „Schöpfung" der Cappella Joannea konnten die Oelder Musikfreunde Haydns bedeutende Oratorien im Jubiläumsjahr des Komponisten innerhalb von nur drei Wochen in kompetenten Aufführungen erleben. Welch ein Glücksfall!

(Die Glocke vom 18.05.2009)


Herbstkonzert am 21.11.2008 in Oelde-Lette:

(Bild:Stahnke)

Mendelssohn mit moderner Zugabe

Von  DR. ULRICH GEHRE

Lette (gl) Die Glaubensinbrunst großer Chorsätze der Romantik wies im Konzert des Musik-Vereins Oelde am Freitagabend in der Pfarrkirche St. Vitus Lette bereits auf die kommende festliche Zeit der Heilserwartung hin. Zuvor jedoch waren die Zuhörer durch ein Stück gemäßigter Moderne gefordert worden, für das eingangs Chorleiter Matthias Hellmons um Verständnis werben musste.

Reichlich ungewohnt erklang denn auch das 1968 entstandene „Magnificat" von Dietrich Manicke, mit dessen Aufführung Hellmons seinen ehemaligen Lehrer an der Detmolder Musikhochschule zum 85. Geburtstag ehren wollte. Das kurze Opus vermischt gregorianische Errungenschaften mit moderner Tonsprache. Über den opulenten Streichern, in deren beständigem, ruhig dahin fließendem Unisono Blechbläser ihre markanten Akzente setzen, figuriert höchst kunstreich der Mezzosopran. Für die anspruchsvolle Aufgabe war mit Anne Baumgarte, die sich im kontrastierenden Rhythmus zum Orchester durchzusetzen wusste, eine vortreffliche Solistin gefunden worden. Facettenreich, mit angenehmem Timbre gestaltete sie bis in die Spitzen ihren Solopart.

Würdevoll und mit achtbarer Disziplin ging die Chorgemeinschaft aus dem Musik-Verein Oelde, dem Städtischen Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis ihre Aufgabe an, die 2. Sinfonie B-Dur op. 92 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der weit ausgesponnenen, dreiteiligen Ouvertüre mit ihrem sehr lyrischen „Andante religioso"folgt der hymnische Jubel „Alles was Odem hat", der sich als eine Art Leitmotiv bis zum Finale durch das Werk zieht. Hellmons vermochte alle Kräfte zu bündeln und den riesigen Apparat nuancenreich zu führen: kontrastvoll in den Jubelchören, denen eine behutsame Dämpfung der allzu kraftvollen Soprane gut täte, meditativ im Choral, spannungsvoll in den kontrapunktischen Passagen. Der Chor folgte reaktionsschnell allen Weisungen in einnehmender Klangrede, rührte mit dem A-cappella-Satz „Lobe den Herrn" in wunderbarem Legato ans Herz und lief zur großen rhetorischen Form auf im Aufruf „Alles danke dem Herrn!"

Neben Anne Baumgarte, die im „Lobgesang" den Part des Sopran II vertrat, erreichte Regina Neumüller zwar nicht das sonst bei diesen Chören übliche Solistenformat, setzte aber ihren schnörkellos geführten Sopran korrekt ein und vereinigte sich mit dem Mezzo im Duett von purem Wohllaut. Clemens Löschmann beeindruckte mit seinem schlanken Tenor in der ausdrucksvollen Lyrik des reinen Belcanto.

Zwischen dem Dirigenten und dem Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie bestand an diesem Abend, an dem Lajos Farkas inspirierend erneut ans erste Pult zurückgekehrt war, ein sicht- und hörbares Einvernehmen. Auch auf seine Weise sorgte der große, präzise agierende Klangkörper für Hörbilder von nachwirkender Eindringlichkeit. Die Zuhörer im voll besetzten Kirchenschiff dankten mit stehend dargebrachtem Beifall. Da der Komponist Dietrich Manicke seiner hiesigen Erstaufführung nicht persönlich beiwohnen konnte, ließ er der Solistin einen Blumenstrauß übermitteln.

(Die Glocke vom 24.11.2008)


Frühjahrskonzert am 30.05.2008 in Oelde-Lette:

(Bild:Suppliet)

Beethovens hymnisches Gotteslob

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde (gl). Mit einer Wiedergabe von Ludwig van Beethovens anrührender C-Dur-Messe op.86, die durch die Frische und Vitalität des Chorklanges ebenso überzeugte wie durch die bravourösen Leistungen eines hoch qualifizierten Solistenquartetts, meldete sich der Musik-Verein Oelde kurz nach den Anstrengungen seines vergangenen Jubiläumsjahres eindrucksvoll zurück.

In der gut besetzten Letter Pfarrkirche St. Vitus reihte Matthias Hellmons am Freitagabend die fünf Teile des Werkes zügig aneinander, so dass der Eindruck eines spannenden Musikdramas entstand, das anderseits auch Mitleid, Versenkung und Trost bietet. Das Kyrie, mit dem der Chorbass a cappella einsetzt, geht in einem gewaltigen Ansturm pausenlos in das Gloria über. Dort aber beschreibt das Altsolo in der lyrischen Anmut des „Qui peccata mundi" die bewegende Herzmitte des Opus ebenso wie im weiteren Verlauf der weit ausgesponnene Benedictus-Dialog von Chor und Quartett in seinem bezwingenden Wohllaut.

Dazwischen lagen die Bewährungen für die aus Musik-Verein Oelde, Stadt. Musikverein Paderborn und Capella Loburgensis Ostbevern gebildete Chorgemeinschaft. Insbesondere in den klippenreichen Fugen am Schluss der jeweiligen Teile hatte Hellmons den Riesenchor auf Reaktionsschnelle und Prägnanz bestimmt. Nicht oft hört man so reine Akkorde, eine so geschmeidige Differenzierung und Leuchtkraft, eine solch routinierte Wendigkeit vortrefflich geschulter Sängerinnen und Sänger, denen an dem schwülen Frühsommerabend auch physisch einiges zugemutet worden war.

Auf der instrumentalen Seite glänzte das hoch motiviert und einfühlsam aufspielende Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie mit exzellenten Solisten an diversen Pulten. Ein nachwirkendes Hörerlebnis vermittelten die vier, in das liturgischmusikalische Geschehen eingebundenen, viel beschäftigten Solisten. Die große Überraschung des Konzertes war die junge Oldenburger Altistin Wiebke Lehmkuhl, der schon jetzt eine viel versprechende Karriere vorauszusagen ist. Mit ihrer warm timbrierten, modulationsfähigen Stimme sorgte sie für Momente der Besinnung und fast intimen Beschaulichkeit. Mit der hellen Strahlkraft ihres höhensicheren Soprans war Johanna Winkel zur Stelle. Georg Poplutz schlankem, ausdruckvollem Tenor fehlte die kraftvolle Durchsetzung, während Markus Krause im wandlungsfähigen Bassgrund stets passenden Ausdruck fand.

Nur eine Dreiviertelstunde dauerte die eindrucksvolle Aufführung. Während man knappen Stücken dieser Art normalerweise kürzere Messen oder Kantaten zur Programmfüllung hinzufügt, erklang nun erstmals und überraschend im sakralen Raum weltliche Musik. Einleitend sorgte Matthias Hellmons als umsichtiger Dirigent mit den aufmerksam auf ihn reagierenden Philharmonikern für eine facetten- und farbenreiche Wiedergabe der kurzen Beethoven- Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus" op.43.

Mit weltlichem Rahmenprogramm

Nach schweren Orchesterakkorden lässt der Dirigent behutsam die Beethoven- Melodie aufsteigen, betont breite Feierlichkeit ebenso wie tänzerische Leichtigkeit in feiner dynamischer Abstufung.Als drittes Stück hatte die weltliche Kantate „Schicksalslied", der Johannes Brahms einen Textvon Friedrich Hölderlin zugrunde legt, ihren Platz in dem ungewöhnlichen Programm.Das Opus 54 von 1871 schildert in kontrastreichen Farben die Idylle des Götterlebens und die Tragik des Menschendaseins in tonmalerischen Wendungen.

Hellmons und seine Sängerschar nahmen sich des Werkes mit Sensibilität und Kunstverstand an in einer Aufführung, die weithin ohne das oft strapazierte Forte auskam und durch Wortverständlichkeit gefiel.

Es rundete auf seine Weise das niveauvolle Konzert ab, das mit dankbarem Beifall der Zuhörer in Lette aufgenommen wurde.

(Die Glocke vom 02.06.2008)


Jubiläums- und Herbstkonzert am 23.11.2007 in Oelde-Lette:

(Bild:Stahnke)

Klangvolle Ehrung des Hl. Franziskus

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde / Lette (gl). Das große Aufführungspodest in der Letter Pfarrkirche St. Vitus reichte kaum aus, die Massen der Mitwirkenden zu fassen. Sie gestalteten am Freitagabend im harmonischen Zusammenwirken von Chor, Orchester und Solisten das gewaltige Tonfresko von Hermann Suters Lobgesang „Le Laudi": festliche Gabe zur Feier des 100. Geburtstags des Musik-Vereins Oelde.

Wie ein roter Faden zog sich das 1925 geschaffene Werk nach dem Sonnengesang des Hl. Franziskus als Kompendium aus gläubig bewegter Tonsprache und zusammenfassender Gebärde durch die Geschichte des heimischen Vereins. Mit seiner nunmehr fünften Einstudierung gelang Matthias Hellmons und seinen Sängerinnen und Sängern erneut der Beweis für ihre überregional beachtete Leistungsfähigkeit.

Das stellenweise monströse Opus lebt aus den Gegensätzen: Wuchtige Chöre wechseln mit lyrischen Passagen, kleine Besetzung wechselt mit großem Klangaufgebot. Der Sonnengesang entwickelt sich nach dem einleitenden Tenorsolo aus dem Motiv des „Gloria" zu einer monumentalen, von leuchtenden Farben überstrahlten Einheit, die mit dem Jubel des „altissimo Signore" den gut besetzten Männerstimmen die Chance vortrefflicher Bewährung bot.

Die Großartigkeit der Quadrupelfuge an den Wind (Nr. 3) erreichen in dieser Form nur wenige Chöre von Bach oder Händel. Als Gegenstück dazu bringt der Lobgesang auf das Feuer (Nr. 5) eine bewegte Passacasglia des Orchesters in Verbindung mit einer schwierigen Tripelfuge, die der Chor problemlos meisterte.

Im weiteren Verlauf der Aufführung von nur eineinviertelstündiger Dauer folgen Gesänge im weihevollen Pathos auf die Liebe und die Friedfertigen und, als düsterer Gegensatz, auf den Tod. Der Schlussgesang führt motivisch zum „Laudate" des Auftakts zurück und lässt das Werk im stillen „Amen" mystisch ausklingen. Mit dem feiernden Musik-Verein Oelde waren in bewährter Chorgemeinschaft der Städtische Musikverein Paderborn und die Capella Loburgensis beteiligt. Zu ihnen gesellten sich die klangfrischen Kinderstimmen des Unterstufenchors des Gymnasiums Johanneum Ostbevern Die bestens geschulten Chöre kosteten im homogenen Stimmklang alle Extreme mit hoch entwickelter Musikalität und Disziplin voll aus.

Matthias Hellmons wählte zügige Tempi und bevorzugte bekanntermaßen lautstarkes Fortissimo-Volumen, wusste andererseits aber auch ruhige Passagen wie das Idyll des „Luft"-Quartetts (Nr. 4) behutsam zu dosieren. Selbst in schwierigsten polyphonen Verflechtungen behielt er souveräne Übersicht und gab zur rechten Zeit die notwendigen Impulse. Die Nordwestdeutsche Philharmonie war mit verstärkter Besetzung einschließlich Orgeln, Klavier, Harfe und Celesta zur Stelle und erfüllte sensibel motiviert die Grundierung des musikalischen Tableaus.

Hochrangiges Solistenquartett

Das zum festlichen Auftakt aufgebotene Solistenquartett entsprach in jeder Position dem selbst gewählten hohen Anspruch. Obwohl noch in der Anfangsphase ihrer Karriere, brillierte Sarah Dierkes makellos im hohen Sopranpart mit gefühlvoller Emphase und herrlich ausschwingender Kantilene. Anne Baumgarte brachte für die liedgestaltende Lyrik das warmgetönte Timbre ihrer kultivierten Altstimme ein, während Andreas Wagner mit dem Belcantoglanz seiner tenoralen Klangrede aufzuwarten wusste. Bei Aufführungen dieser Art von jeher geschätzt, war Markus Krause in der sonoren Tiefe und kernigen Mittellage seines Basses mit modulierender Kraft und Stimmschönheit zur Stelle.

So wirkten denn letztlich alle Teile des bewegenden Werks wie aus einem Guss. Mit dem stehend dargebrachten Schlussapplaus bedankten sich die nahezu 700 Zuhörer in der vollbesetzten St.-Vitus-Kirche bei den 250 Mitwirkenden für ein weit über das Jubiläum hinaus nachwirkendes Kulturereignis. (ug)

(Bild: Stahnke)

Besonders geehrt wurde der 1. Konzertmeister der Nordwestdeutschen Philharmonie, Lajos Farkas (1.), auch von Friedhelm Heese, der im Namen des Musik-Vereins Oelde sprach.

„Aushängeschild unserer Region"

Am Schluss der Festaufführung in der Letter St.-Vitus-Kirche unterbrach Matthias Hellmons die Beifallwogen der begeisterten Zuhörer, um Lajos Farkas zu danken. Der Musiker wirkte vor seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Nordwestdeutschen Philharmonie an diesem Abend zum letzten Mal als Konzertmeister des Herforder Orchesters. Der musikalische Leiter erinnerte an eine seit 19 Jahren bewährte künstlerische Zusammenarbeit und überreichte dem in Oelde höchst populären Violinisten aus Ungarn zur bleibenden Erinnerung an die Kooperation seine Arbeitspartitur des gemeinsam einstudierten „Requiems" von Antonin Dvorak.

Lajos Farkas sorgte mit seinem Kammerquartett auch für den stilvollen Rahmen beim Jubiläumsfestakt, der im Anschluss an die Aufführung alle Chormitglieder im Hotel Hartmann zusammenführte. Deren stets idealistischen Einsatz würdigte Vorsitzender Friedhelm Heese. Er dankte Dirigent und Solisten sowie nicht zuletzt der Familie Haver für immerwährende Unterstützung. Heese erinnerte an die Vereinsgründung vor 100 Jahren und begrüßte als Ehrengäste unter anderem den Vorstand des MGV Oelde und Engelbert Buhr aus Wuppertal, Chordirigent in den Jahren 1974 bis 1989.

„Die Freude, die uns mit dieser großen Aufführung bereitet wurde, kehrt nun zu Ihnen zurück", gratulierte Bürgermeister Helmut Predeick im Namen der Stadt Oelde. Er nannte den Musik-Verein ein Aushängeschild der Region, das auch unserer Stadt zur Ehre gereiche, und erhoffte sich auch für die Zukunft von ihm eine Bereicherung des heimischen Kulturlebens.

Viel Anerkennung für das selten aufgeführte „Le Laudi"-Opus in seiner Oelder Wiedergabe sprach Elmar Bergmann aus, der Vorsitzende des Landesverbandes im Verein Deutscher Konzertchöre (VDKC). Er überreichte Friedhelm Heese eine Ehrenurkunde. Sie würdigt die Arbeit des heimischen Chors, der einer unter 140 Spitzenchören in NRW ist.

Das Schlusswort hatte Dr. Ulrich Gehre. Unter den acht Tönen der C-Dur-Tonleiter umriss er in Kurzkapiteln die Geschichte des Musik-Vereins und schloss mit Paul Gerhardts kategorischem Imperativ. „Wachauf, meinHerz, und singe!"

Ein gemeinsames Abendessen beendete zu später Stunde Festtag und Jubiläumsjahr zugleich. (gl)

(Die Glocke vom 26.11.2007)


Frühjahrskonzert am 02.06.2007 in Oelde, Franz-Arnold-Halle, Pott's Brauerei:

Ein Opernfresko gewaltiger Klangmassen

Von DR. ULRICH GEHRE

Oelde (gl). Große Oper im kleinen Oelde: Der Musik-Verein machte mit Hilfe der Rudolf-Haver-Stiftung den Ausnahmefall möglich und bot in Abweichung vom üblichen Programmschema geistlicher Chorwerke ein Konzert mit Szenen aus berühmten Opern des 19. Jahrhunderts.

Der gewohnte Sakralraum war eingetauscht worden gegen die neue Franz-Arnold-Halle der Pott's Brauerei, die inmitten hoher Wände von Bierkisten den nüchternen, akustisch aber passenden Rahmen für das Konzert bot, als Matthias Hellmons am frühen Sonntagabend den Auftakt gab. Vorbereitet durch die sachkundige Moderation Christoph Gockel-Böhners vom Kulturamt Paderborn, zogen vor den Ohren der vielen hundert Zuhörer chorisch die jubelnden und verzweifelten, die huldigenden und die aufgepeitschten Volksmassen vorüber, die den Kern von Modest Mussorgskis Volksdrama „Boris Godunow" ausmachen.

Schon die ersten Takte der Partitur offenbarten alle Genialität der expressiven Musikdichtung, deren Prologe sich aus permanenten Klangballungen zusammensetzen. Keine Schwierigkeit für die an derartige Aufgaben gewohnten Sängerinnen und Sänger vom Musik-Verein Oelde, dem Stadt. Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis Ost-bevern in ihrer durch frische junge Stimmen hörbar bereicherten Chorgemeinschaft. Ob im kraftvollen Forte, das sich effektvoll gegen die dröhnenden Tuttischläge des Orchesters durchzusetzen hatte, ob in subtilen Abstufungen oder im Höhenrausch der Chorsoprane - insgesamt gelang die überzeugende Nachzeichnung der bewegenden Geschichte vom falschen Zaren Boris, der durch den Mord am rechtmäßigen Thronfolger in Schuld verstrickt ist und daran zerbricht.

Der pompöse Prolog am Moskauer Jungfrauenkloster, die musikalisch aufwändige Krönungsszene und die asiatische Wildheit aufgeregter Chöre im Revolutionsbild rundeten sich in Hellmons' dynamischer Deutung zu einem Opernfresko von beeindruckenden Dimensionen. Hatte sich bis dahin schon ein Solistenseptett von respektablem Rang in meist kleineren Partien zu Wort gemeldet, so schlug dessen große Stunde, als in Giuseppe Verdis Oper „La Traviata" glanzvolle Belcantokultur gefragt war.

Einleitend brillierten die irisierenden Streicher der Nordwestdeutschen Philharmonie mit opalenem Glanz, erklang als chorische Herausforderung das schwungvolle Trinklied aus Violettas Ballsaal, ehe Yitian Luan zum solistischen Ereignis geriet. Obwohl durchaus noch Lernende an der Detmolder Musikakademie, bot die junge Chinesin in der Bravour-Arie der todkranken Lebedame mit perlenden Koloraturenketten bis in die Regionen des hohen Es die intensiv-glühende Brillanz ihrer Liedgestaltung auf, die in jeder Phase neu sich vollziehende Synthese von Schönheit, Wahrhaftigkeit, unverbrauchter Kraft und emotionaler Beherrschung eines wahren Stimmwunders. Mit entsprechendem Anspruch sekundierte ihr tenorglänzend Bohyeon Mun als Alfredo.

Leichtgewichtiges Finale

Für den leichtgewichtigen Abschluss sorgten Teile aus Jacques Offenbachs komischer Oper „Hoffmanns Erzählungen". Hier stellten sich Tenor und Bass der Chorgemeinschaft ohne die sonstige Stütze der Frauenstimmen selbstbewusst ihrer Aufgabe, besangen in Pott's Bierkeller den vom Komponisten zitierten Berliner Weinkeller „Lutter & Wegener" und dialogisierten im Lied von „Klein Zack" ohne Fehl und Tadel in rhythmischer Sauberkeit mit Bohyeon Mun als phantasierenden Poeten Hoffmann. Das Aha-Erlebnis des instrumentalen Offenbach-„Schlagers" der Barcarole, die mit sanftem Cellostrich das erotische Flair der Szene untermalt, führte schließlich zu Dappertuttos Spiegelarie. Sie wurde von Markus Krause - eingangs bereits imponierend in der Arie des Zaren Boris - mit warm sich verströmendem Bariton gestaltet.

Mit unbeirrbarem Klangsinn war Matthias Hellmons auf dem Dirigentenpodium den vielfarbigen Programmstrukturen gerecht geworden. Er gab durchgehend volltönendes Maß, verschloss sich nicht den explosiven Gewalten der Partitur und ihren Klangmassen, arbeitete die zündenden Rhythmen der leidenschaftlichen Musik ebenso wie ihre lyrischen Momente überzeugend heraus und fand in der glänzend disponierten Nordwestdeutschen Philharmonie eine gehorsame Gefolgschaft. Der stehend dargebrachte Beifall in der Franz-Arnold-Halle geriet zu Ovationen und wurde überraschend belohnt: Als Zugabe entließ das temperamentvolle
Trinklied aus der Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus" die rundum begeisterten Zuhörer in den Abend: „Champagner hat's verschuldet, tralala!"
  (ug)
 

(Die Glocke vom 04.06.2007)


Herbstkonzert am 24.11.2006 in Oelde-Lette:


Bild: Chr.Strotmann

Demutsvolle Gebärde und opernhafter Glanz

Von DR. ULRICH GEHRE

Lette (gl). Wer den Mut hat, sakrale Chorwerke von Mozart und Donizetti innerhalb ein und desselben Programms zu präsentieren, der fordert zu vergleichenden Betrachtungen geradezu heraus. Dabei konnte gegenüber der Innigkeit mozartischen Musizierens der teils oberflächliche Opernpomp Donizettis nur zweiter Sieger sein.

So erlebten denn die vielen hundert Zuhörer in der ausverkauften Pfarrkirche St. Vitus Lette am Freitagabend eine Aufführung mit Werken beider Komponisten, in der mächtige Chorsätze mit verhaltenen lyrischen Passagen, kleine Besetzungen mit großem Aufgebot unentwegt wechselten. Matthias Hellmons behielt als inspirierender Dirigent in jeder Phase souverän den Überblick, gab im richtigen Moment entscheidende Impulse und strahlte jene Gelassenheit aus, die sich der vielköpfigen Chorgemeinschaft aus Musik-Verein Oelde, Stadt. Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis Ostbevern zwingend mitteilte.

Mit den einleitenden „ Vesperae solennes de confessore", die der 24-jährige Mozart 1780 als Salzburger Hofkomponist geschaffen hatte, zeigte sich Matthias Hellmons von einer bei ihm ungewohnten Seite: Ungemein behutsam, mit weich modulierenden Gesten ging er mit stilvoller Zurückhaltung das freundliche Opus an, das fünf in sich selbstständige Psalmen mit unterschiedlichem Klangcharakter unter dem „Gloria Patris" zur Einheit zusammenbindet. Das ergab mit dem für diesen Fall stimmlich reduzierten Chor ein festfrohes Musizieren, das Maßstäbe setzte. Zum Unisono des Orchesters legte Hellmons mit Chor- und Sologesang die unterschiedlichen Inhalte und Stimmungen der Psalmen farbenreich und dynamisch frei und erreichte eine Sternstunde chorischen Musizierens im ergreifenden Satz „Laudate Dominum". Wann je hätte man hierzulande das populäre Stück in so liebevoller Gestaltung gehört? Bravo! Mit Jutta Potthoff war in Vertretung der ursprünglich vorgesehenen Solistin eine Künstlerin aufgeboten worden, die ihren Part mit dem warmen Timbre des voll erblühten Soprans von innen heraus gestaltete und die neapolitanischen Koloraturen in schlichter Selbstverständlichkeit einzubinden wusste.

Qualifiziertes Solistenquartett mit Koreanern

Das „Requiem", das Gaetano Donizetti 1875 zum Tod seines Freundes Vincenzo Bellini geschaffen und in der feierlichen Einleitung auf die Grundtonart d-Moll festgelegt hat, stellte -zumal in der freien Fuge mit chromatischen Bindungen - erhebliche Anforderungen an Chor, Solisten und Orchester. Mit dem „Te decet Hymnus" setzte das hoch qualifizierte Solistenquartett ein, das sich im Folgenden in mehrfach wechselnder Zusammensetzung bewährte.

Ein Hauptanteil des fragmentarisch gebliebenen Werkes war dem Solobassisten aufgetragen, als der sich der junge Koreaner Jae Won Yang mit stimmlichem Volumen und sonorer Tiefe einbrachte. Zusammen mit dem warm getönten Bariton von Cho Bae Keun und der schlanken tenoralen Gebärde von Bohyeen Mun bildete er im „Tuba mirum" ein Terzett von bezwingendem Wohllaut, dem Susanne Elle Grobholz im warm sich verströmendem Alt nichts nachstand.

Kühne harmonische Verdichtungen in extremer Lage stellten chortechnisch große Ansprüche, die die Sängerinnen und Sänger in aller Klangsinnlichkeit schließlich auch mit dem Aufschrei des turbulenten, von Paukenschlag und Trompetenschall begleiteten „Dies irae" effektvoll umsetzten. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob der in vielen Proben geforderte Sondereinsatz ein Werk dieser Art lohnt - es sei denn, es gelte der Erprobung nachwachsender Sangeskräfte.

Auf der orchestralen Seite glänzte die hoch motivierte Nordwestdeutsche Philharmonie und sorgte für die präzise Grundierung des bewegenden musikalischen Bildes. Trotz der bisweilen erdrückenden Klangmassen, die auf sie eindrangen, zeigten sich die Zuhörer spürbar beeindruckt von diesem Sonderfall eines von der Rudolf-Haver-Stiftung unterstützten Konzertes und dankten den Ausführenden mit stehend dargebrachten Ovationen. (ug)

(Die Glocke vom 27.11.2006)


Frühjahrskonzert am 28.04.2006 in Oelde-Lette:

  Im Zeichen der heiligen Cäcilia

VON DR. ULRICH GEHRE

Oelde (gl). Die heilige Cäcilia, christliche Märtyrerin und Schutzpatronin der Musik, stand als verbindendes Symbol über den zwei ebenso unterschiedlichen wie auf ihre Weise auch effekt- und anspruchsvollen Werken, die das Chorkonzert am Freitagabend in der Letter St. Vitus-Kirche zu einem Musikerlebnis des Ausnahmefalles steigerten

Matthias Hellmons wusste, was er den Sängerinnen und Sängern des Musik-Vereins Oelde, des Städtischen Musikvereins Paderborn und der Capella Loburgensis Ostbevern zumuten konnte. Mit Georg Friedrich Handels „Ode für St. Cecilia's Day" und der Cäcilienmesse von Charles Gounod bewies er Mut zum Risiko, die hierzulande im gängigen Chorrepertoire kaum vertretenen Werke zwei Stunden lang den gespannt lauschenden Zuhörern als örtliche Erstaufführungen zu präsentieren.

Auf einen altenglischen Text von John Dryden hatte Händel 1739 seine Cäcilienode komponiert - ein ungewöhnliches Opus, das mit dissonantischen Akkorden das Chaos vor der Erschöpfung der Welt malt. Nach dem Durchbruch der Harmonien aber entwickelt sich im Wechsel von fünf reizvollen, von schwierigen Chorpassagen umrahmten Arien ein Werk voller Hoffnung und liebevoller Versenkung, das auf seine Art auch die Segnungen der Musik mit solistisch vorgestellten Instrumenten besingt.

Hier schlug nach anfänglichen kleinen Intonationsproblemen die große Stunde der Leonore von Falkenhausen. Mit dem Schmelz und der Leuchtkraft ihres strahlenden Soprans, der mit der Bachtrompete in der extremen Höhenlage der Partie geradezu stimmakrobatisch jubiliert, gelang ihr ein nachwirkendes pastorales Tongemälde. Matthias Hellmons und das sorgsam grundierende verkleinerte Orchester sowie der für diesen Fall auf „nur" hundert Mitwirkende reduzierte Chor schufen zusammen mit den lyrischen Anmutungen von Clemens Löschmann (Tenor) ein Tableau von kammermusikalischer Feinheit: himmlischer Trost für das Gemüt irrender Menschen.

Ganz anders freilich gingen Hellmons und der nun in Chor und Orchester verstärkte musikalische Apparat bei Gounod zur Sache. Hier zeigte sich erneut, wo diese Chorgemeinschaft und ihr Dirigent sich hörbar am wohlsten fühlen: Wenn sie aus dem Vollen schöpfen und die wuchernde Chorpracht des französischen Romantikers ausleben können. Dabei offenbart Gounod seine ungewöhnliche melodische Begabung, die er später folgerichtig voll dem Theater zukommen ließ.

Weithin theatralisch-pompös sind denn auch die meisten seiner in Klangfülle schwelgenden Chorsätze, die zuweilen im dreifachen Forte erklangen. Matthias Hellmons verlor indessen nie den großen Spannungsbogen aus dem Auge, schritt die Grenzen des Machbaren aus. Bei den Sängerinnen und Sängern war allenthalben der Enthusiasmus spürbar, mit dem sie die Visionen des Dirigenten in kraftvoller Energie, klanglicher Transparenz und Artikulationsschärfe umsetzten. In der Erinnerung bleiben dabei unter anderem das fehlerfreie Unisono des Credos, die technisch sauberen Einsätze des Benedictus, halsbrecherische melismatische Wendungen im Kontext zu den Vokalsolisten.

Die aber wirkten ihrerseits pointiert gestaltend in Gounods frommem Tableau mit. Auch hier nahm Leonore von Falkenhausen die Herausforderung an und verstand es, in nahtlosen Registerwechseln aufzutrumpfen. Mit lyrischer Gestaltungskraft und weiter Phrasierung war Clemens Löschmann mit tenoraler Belcantokultur zur Stelle, während die Partitur Markus Krauses profundem Bass wenig Entfaltungsmöglichkeiten ließ.

Ein Sonderlob gilt der Nordwestdeutschen Philharmonie, die im verstärkten Instrumenteneinsatz (Hörner, Orgel, Harfe) farbig und engagiert den orchestralen Teil bestreute. Sie folgte diszipliniert den Vorgaben des Dirigenten, überlagerte nie den Chorklang und beeindruckte in solistischen Einsätzen. Die Zuhörer feierten zu Recht mit stehend dargebrachten Ovationen das von der Rudolf-Haver-Stiftung geförderte chormusikalische Ereignis.

(Die Glocke vom 01.05.2006)


Frühjahrskonzert am 26.04.2006 in Ostbevern:

  "Cäcilienmesse" begeistert Publikum

Ostbevern (alp). Die aktuelle Konzertreihe des Kulturforums fand am Mittwochabend in der Pfarrkirche St. Ambrosius ihren Abschluss. Mit der „Cäcilienmesse" von Charles Gounod stand ein besonderes Werk auf dem Programm.

Mitwirkende waren neben der „Capella Loburgensis" aus Ostbevern die Chöre der Musikvereine aus Oelde und Paderborn wie auch die Nordwestdeutsche Philharmonie.

Als Solisten zählten Leonore von Falkenhausen (Sopran), Clemens Löschmann (Tenor) und Markus Krause (Bass) zur großen Gruppe der Mitwirkenden. Die Gesamtleitung lag in den bewährten Händen von Matthias Hellmons.

Zu Beginn stand zunächst Georg Friedrich Handels „Ode for St. Cecilia's Day" auf dem Programm. Dann folgte die Aufführung der großartigen „Cäcilienmesse" von Charles Gounod. Die aufmerksam lauschende Zuhörerschar sparte nicht mit Applaus und spendete damit den schönsten Lohn für alle Mitwirkenden.
Unser Bild zeigt die vielköpfige Schar der Mitwirkenden im Chorraum der Pfarrkirche St.Ambrosius.

( Die Glocke vom 29.04.2006 - Bild: Pohlmann)

 

Großes Gespür für den Zusammenklang

VON AXEL ENGELS

Frühjahrskonzert des Kulturforums: Sakrale Musik auf höchstem Niveau

Zwei besonders anspruchsvolle Werke sakraler Musik waren beim Frühjahrskonzert des Kulturforums unter der Leitung von Matthias Hellmons zu hören. Von Georg Friedrich Händel erklang am Mittwochabend in der St. Ambrosius-Kirche die „Ode for St. Cecilia's Day“ und dazu passend die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod.

Seit 17 Jahren arbeitet Hellmons als Gastdirigent mit der Nordwestdeutschen Philharmonie zusammen, seit sieben Jahren bereichert dieses exzellente Orchester mit besonders hochwertigen Beiträgen das kulturelle Leben in Ostbevern. Und als weitere Mitwirkende konnten die ebenfalls von Hellmons geleitete Capella Loburgensis, der Musik-Verein Oelde und der Städtische Musikverein Paderborn gewonnen werden, so dass der rein instrumentelle sowie der chorische Part in besten Händen lagen.

Mit großen Gespür für den Zusammenklang einzelner Stimmen waren zu diesem Anlass drei Sänger verpflichtet worden, deren Qualitäten weit über das normale Niveau herausreichen Es gab ein Wiedersehen mit der in Ostbevern bekannten Sopranistin Leonore von Falkenhausen, die Tenor-Partien sang der international tätige Clemens Löschmann – und bei der Cäcilienmesse trat dann der Bassist Markus Krause mit seiner beeindruckenden Stimme hinzu. Mit der Wahl dieser Solisten und ihrer jeweils charaktergefärbten Stimmen hat Hellmons genau den Werken entsprechend seinen Gestaltungswillen umsetzen können. Mit sicherem Dirigat führte er Chor, Orchester und Solisten. So entstand eine Interpretation, die man noch lange im Gedächtnis behalten wird. Der inspirierende Klang der Musik fesselte vom ersten Ton an.

In der Orchesterouvertüre konnte die Nordwestdeutsche Philharmonie ihre ganzen Qualitäten ausspielen, ihr hohes künstlerisches Niveau mit Lebendigkeit und Spielfreude präsentieren. Der Chor bestach durch eine sehr detailgenaue Umsetzung in den einzelnen Stimmgruppen und deren klangliche Trennung. Direkt reagierten die Mitglieder des Chores auf kleinste Differenzierungen im Dirigat von Matthias Hellmons, der diese barocke Musik mit all ihren verborgenen Schönheiten transparent und leicht erklingen ließ. Leonore von Falkenhausen und Clemens Löschmann sangen mit spürbarer Liebe zu dieser Musik, gestalteten ihre reizvollen Arien mit viel Finesse und musikalischer Reife.

Die große „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod benötigte dann eine größere Besetzung. Mit dem veränderten Klangkörper konnte Hellmons aber genauso gut umgehen. Markus Krause fügte sich mit seiner wohl tembrierten Stimme exzellent ein, sang die vom Charakter her der Oper nahen Partien mit Pathos, ohne jedoch den sakralen Gehalt zu verletzen. Die Aufführung dieser „Cäcilienmesse“ ist für die vielen Zuhörer quasi ein musikalisches Geschenk gewesen. Denn selten hört man dieses Werk so wunderbar gestaltet wie an diesem Konzertabend auf höchstem Niveau.

Lang anhaltender Applaus ernteten Sänger, Musiker und Dirigent für ihre Darbietung. Das Kulturforum hat erneut Maßstäbe gesetzt. 

 (Westfälische Nachrichten vom 28.04.2006) 


Herbstkonzert am 22.11.2005 in Oelde-Lette:

 
 Musik-Verein wagt chorische Herausforderung

VON DR. ULRICH GEHRE

Lette (gl). Mit selten gehörten Werken zeigte der Musik-Verein Oelde in Chorgemeinschaft mit dem Städtischen Musikverein Paderborn und der Capella Loburgensis Ostbevern Mut zu neuen Wegen. Poulenc und Puccini stellten am Dienstagabend in der Letter St.-Vitus-Kirche eine Herausforderung dar, die sich deutlich vom bisher gewohnten Chorrepertoire unterschied.

Das gilt vorrangig für den faszinierenden Gebetshymnus „Gloria" F-Dur des französischen Zeitgenossen Francis Poulenc von 1959. Nach kraftvollem Bläserauftakt führte Matthias Hellmons seine Chöre stilsicher durch die nachfolgenden synkopischen Klippen. Rhythmische Impulse bis zum jazzartigen Drive, eigenwillige Textdeklamation und die Klangfarben neuzeitlicher Melodik boten ein hier ungewohntes Hörerlebnis.
Im „Domine Deus" der sechs knappen Sätze schlug schließlich die Stunde der Solistin. Der weiche, behutsam geführte Sopran von Cornelie Isenburger erhob sich schwerelos über Chor- und Orchesterstimmen und sorgte im Schlussteil für fromme Verinnerlichung.
Der Chor war mit spürbarer Begeisterung und emotionaler Intensität bei der Sache und sorgte in dynamischen Abstufungen für ein beeindruckendes Klangbild. Die Zuhörer nahmen den Beitrag mit rasch verebbendem Beifall auf.

Auf den nachfolgenden Puccini hatten Matthias Hellmons und die in großer Besetzung aufgebotene Nordwestdeutsche Philharmonie eingangs mit dem „Preludio Sinfonico" eingestimmt: ein Werk des jungen Komponisten aus Lucca, das in seiner schwelgenden Orchestersprache schon das kommende Genie erahnen lässt.

Diesen opulenten Klang noch im Ohr, erlebten die Zuhörer in der „Messa die Gloria" einen Komponisten, der damals im Aufbruch zur großen Oper war und entsprechende Ambitionen hörbar immer wieder auch in das geistliche Konzept einfließen ließ.

Wenn Puccinis frühes Opus auch gewiss nicht zu den Ewigkeitswerten der Chorliteratur zählt, so bedeutet es doch eine enorme Herausforderung für talentierte Chöre. Ihnen bietet es alle Möglichkeiten klangsinnlicher Entfaltung, begonnen mit der chorischen Vorstellung des „Kyrie", fortgeführt über das umfangreiche, in stets wechselnden Stimmungen, Rhythmen Melodien und Einsätzen variierte „Gloria" bis zur dramaturgischen Spitze des „Credo".

Das innige „Benediktus" ist indessen Aufgabe des Solobassisten, als der Markus Krause sein profundes Stimmmaterial liedgestalterisch einbrachte.

Ihm stand an sängerischem Format Andreas Wagner nichts nach, der mit der Belcantokultur des lyrischen Tenors seinerseits Glanzlichter setzte. Die ausgeprägte Musikalität des Chores, der wohltemperierte Ausgleich der Stimmen und die Präzision seiner Gesangstechnik bewirkten eine begeisternde Identität von Werk und Wiedergabe.

Matthias Hellmons verstand sich aufs Wort mit dem Orchester, das, sicht- und hörbar beflügelt von der außergewöhnlichen Aufgabe, die verlässliche Grundierung des chorischen Tableaus besorgte und im „Kyrie" mit subtilem Geigenklang glänzte.

Zum guten Schluss Blumen für Solisten und Dirigent und Beifall für alle Mitwirkenden für das von der Rudolf-Haver-Stiftung unterstützte, nachwirkende Kulturereignis.

(Die Glocke vom 24.11.2005)


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